Buschgeist – Ghost from the bush, Zambia

Nikon D3200; Tamron 70-300mm, F 4-5,6; 200(300)mm; F 5,6; 1/320 sec.; ISO 5600

Nikon D3200; Tamron 70-300mm, F 4-5,6; 200(300)mm; F 5,6; 1/320 sec.; ISO 5600

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Geschäftszeit – Busy time, Jenda, Malawi

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 38(57)mm; F 8; 1/200 sec.; ISO 100

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 38(57)mm; F 8; 1/200 sec.; ISO 100

Im weltgrößten Tabak-Auktionshaus – Inside the world´s largest Tobacco Auction House, Lilongwe, Malawi

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 18(27)mm; F 3,5; 1/20 sec.; ISO 400
Das größte Tabak-Auktionshaus der Welt gehört der Auction Holdings Limited, einer Gruppe von Firmen, die den malawischen Tabakbauern mit den Auktionen eine Plattform für den Verkauf ihres Tabaks bietet, der international wie national streng limitiert und geregelt ist.
Der gesamte Tabak, der in Malawi angebaut wird, kommt nach der Ernte und dem Trocknen zum Tabak-Auktionshaus, wo er während der wenigen Wochen in der Erntezeit seine Abnehmer findet. Dabei kann sich der Bauer entweder den aktuellen Marktpreis auszahlen lassen oder auf höheren Gewinn bei einer Versteigerung hoffen, was natürlich auch ein Risiko birgt. Vor der Vermarktung wird der Tabak in verschiedene Güteklassen und je nach Trocknungsmethode – von Luft- über Feuer- bis zur Rauch-Trocknung – unterteilt.
Wir waren gegen Ende der Auktionswochen im Auktionshaus, weshalb auch nur noch die hinteren Reihen der gigantischen Halle voll Tabaksäcke stehen. Die Luft ist geschwängert vom aromatischen, manchmal beinahe scharfen Duft des Tabaks. Besonders der „geräucherte“ roch überwältigend gut und erdig. Leider ist es strengstens untersagt, auch bloß ein einziges Blatt mitzunehmen.

Nikon D3200; Nikkor 35(52)mm, F 1,8; F 2; 1/25 sec.; ISO 400

Nikon D3200; Nikkor 35(52)mm, F 1,8; F 2; 1/25 sec.; ISO 400

An den Ufern des Malawi-Sees – On the shores of Lake Malawi

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 105(157)mm; F 6,3; 1/160 sec.; ISO 125

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 105(157)mm; F 6,3; 1/160 sec.; ISO 125

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 105(157)mm; F 5,6; 1/320 sec.; ISO 100

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 105(157)mm; F 5,6; 1/320 sec.; ISO 100

On the road in Malawi – Unterwegs in Malawi

Nikon D3200; Nikkor 35(52)mm, F 1,8; F 7,1; 1/500 sec.; ISO 100

On the road in Malawi – Unterwegs in Malawi

Malawi ist laut jüngstem Human Development Index (Vereinte Nationen) eines der ärmsten Länder der Welt, geplagt von ungebremstem Bevölkerungswachstum einhergehend mit Überbevölkerung, von Versorgungsengpässen und Mangelernährung, von Bodenerosion aufgrund von flächendeckendem Kahlschlag sowie von jahrzehntelanger Ausbeutung und Unterdrückung durch die eigene autoritäre Führung und westliche Profiteure. In der Hauptstadt Lilongwe ist diese Situation besonders spürbar, abertausendfache Landflucht verstärkt vor allem in den Städten den Druck. Als „Kleinunternehmer“ fristen die Bewohner oftmals mit Handlangerdiensten oder beim Verkauf der kärglichen Erträge auf dem Markt ein perspektivloses Dasein. Rund um Busbahnhof und Markt kommen diese Gestrandeten jeden Morgen zusammen, um sich einen weiteren Tag über Wasser zu halten.

Referring to the latest United Nation´s Human Development Index Malawi is one the world´s poorest countries, suffering from an uncontrolled increase of population, a population explosion, from an unstable food supply which leads to deficiency symptoms, from erosion because of widespread deforestation, from decades of exploitation and suppression, not only by it´s own dictatorial leaders but also by western profiteers. Lilongwe as Malawi´s capital shows all the signs of this situation. There is a rural exodus going on, thousands and thousands of people coming to the big cities all over the country. As „entrepreneurs“ they try to sell whatever they have on the local markets or do some kinds of services. Every morning the stranded gather together between Lilongwe´s main market and the bus station for the well-known struggle to survive another day.

„Lilongwe ist eine merkwürdige und gewöhnungsbedürftige Stadt“, so die diplomatische Formulierung unserer ersten Eindrücke von Malawis Hauptstadt. Später fügte ein weißer Sambier, der seit Jahrzehnten in Mzuzu, der Provinzhauptstadt des dünn besiedelten Nordens des Landes, lebt, noch seine viel deutlichere und offenere Einschätzung hinzu: „Lilongwe is a shithole, I hate this place!“ Dieser Meinung konnten und können wir uns nicht anschließen, doch verstehen können wir sie durchaus.
Als Malawi 1964 seine Unabhängigkeit erlangte, war Lilongwe noch eine Kleinstadt von etwa 20.000 Einwohnern. Es war der erste Präsident und faktische Diktator Malawis, Hastings „Kamuzu“ Banda, der die Notwendigkeit sah, Malawis Süd-Nord-Gefälle mithilfe einer zentralen Hauptstadt entgegenzuwirken und sich für Lilongwe entschied. Ab 1969 wurde Lilongwe schließlich vom Reißbrett aus in eine moderne Hauptstadt umgestaltet, wofür große Flächen gerodet und planiert werden mussten. Zum Ausgleich bemühte man sich, geschützte Naherholungsgebiete und Reservate im Stadtgebiet zu installieren, was zur bis heute existenten Weitläufigkeit Lilongwes führte. Leider durchmischten sich die einzelnen Stadtteile nie, und geblieben ist ein zerrissener Flickenteppich. Besonders die Geschäfts- und Regierungsviertel lassen jede Atmosphäre vermissen und wirken in etwa so charmant wie ein hiesiges Industriegebiet.
Aufgrund der starken Überbevölkerung, autoritärer Regierungen und dem schädlichen Einfluss von außen – besonders durch die verschiedenen Kirchen hinsichtlich Verhütung und Schutz vor dem grassierenden HI-Virus – ist Malawi heute eines der ärmsten Länder der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt nur wenig über 40 Jahre, was neben HIV auch der Malaria, dem Billharziose-Erreger und der kontinuierlichen Unterversorgung geschuldet ist. Mangelerscheinungen aufgrund einseitiger Ernährung sind überall im Land anzutreffen, von der medizinischen Versorgung ganz zu schweigen.
Natürlich führt all das zu Landflucht, da dort das Leben noch entbehrungsreicher ist und in der Stadt wenigstens die Hoffnung besteht, mit irgendeiner Art von „Geschäftsidee“ überleben zu können. Denn die Preise für Mais sind am Boden, und der abstruse, politisch motivierte Kampf westlicher Kulturen gegen das Rauchen bringt den Tabakproduzenten Malawi zusätzlich in immer größere Schwierigkeiten.
Die Armut und die Probleme der malawischen Gesellschaft können verdichtet rund um die Minibus-Station sowie den Markt entlang der Malangalanga Road am östlichen Ufer des Lilongwe River im Herzen der Stadt beobachtet werden. Dort landeten auch wir von Sambia kommend und wurden von einer Einheimischen rasch darauf hingewiesen, dass wir umgehend das Interesse von vier bekannten Langfingern, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf ihre Gelegenheit warteten, erregt hätten. Selbstverständlich gibt es daneben auch noch die Altstadt, die nicht einer gewissen Atmosphäre entbehrt. Wir sind uns allerdings einig, dass uns die große Armut, die in der Stadt immer noch schockierender wirkt, einen schalen Beigeschmack bereitet, der außerdem mit der eher offensiven Art und Weise der Malawier im Gegensatz zu der beinahe deutschen Zurückhaltung der meisten Sambier, die wir kennenlernen durften, zusammenhängt.
Obwohl wir auf unserer Reise Vertretern verschiedener Stämme und damit auch Kulturen – etwa der Tonga, der Lozi oder der Chewa – begegnen durften, hatten wir das Gefühl, in Malawi auf eine doch völlig andere Mentalität zu treffen als in Sambia. Dieses Gefühl konnte erst in Mzuzu im Norden des Landes relativiert werden. Darüber hinaus trafen wir in Malawi auf bedeutend mehr Weiße als in Sambia, von zahllosen Freiwilligen, die für medizinische Hilfsprojekte, für Agrar-Projekte, für wissenschaftliche Datenerhebungsprojekte arbeiteten, über die, die hauptberuflich für die EU, den IWF, Bibelschulen (auch deutsche) oder Artenschutzeinrichtung tätig waren, bis hin zu denen, die sich dort wirtschaftlich engagieren, was zumeist altmodische Ausbeutung bedeutet, etwa in Bergwerken oder durch die großflächige Abholzung ganzer Landstriche wie in den Viphya-Bergen. Manche volontieren für ein, zwei Jahre, andere nur drei bis sechs Monate, und wieder andere leben und arbeiten in Malawi auf unbestimmte Zeit, nicht selten für immer. Und dann gibt es noch die Weißen, die bereits in Afrikas Süden geboren wurden. Sie alle zusammen haben den unvermeidlichen Effekt, dass der Weiße generell gern als reines Geschäftsobjekt betrachtet wird, was vom Souvenir-Verkauf über die Bettelei bis hin zur Kriminalität reicht, da die Weißen stets mehr besitzen als die Einheimischen. Das heißt jedoch keineswegs, dass es nicht auch Einheimische gibt, die mehr besitzen als ihre Nachbarn und sogar als die Weißen. Ausbeuten kann grundsätzlich jeder, denn Gier kennt keine Hautfarbe.
Das Bild (0ben) zeigt eine morgendliche Straßenszene an der Malangalanga Road. Dort versucht jeder, sich mit irgendeiner Form von Handel oder Dienstleistung über Wasser zu halten, und wenn es bloß das Zerkleinern von Holz oder das Herstellen von Souvenirs aus Müll ist.

Geschäftszeit - Busy time, Jenda, Malawi

Geschäftszeit – Busy time, Jenda, Malawi

Chizumulu Island


Schwer getroffen hat der dauerhafte Ausfall der Ilala bis 2012 die einzige touristische Einrichtung auf Chizumulu, das Wakwenda Retreat, das von zwei englischen Rucksacktouristen, die sich in die Insel verliebt hatten, errichtet worden war. Während die etwa 3000 Einwohner Chizumulus überwiegend von der Fischerei leben und daneben noch Cassava und Mangos anbauen – Tourismus ist nur ein kleines Zubrot – und daher recht unabhängig sind, kämpfte man in der einzigen Unterunft ums nackte Überleben, da der Besucherstrom fast vollständig zum Erliegen gekommen war.
Die Lage und Größe Chizumulus sind in diesem Fall Fluch und Segen zugleich. Es ist schwerlich ein paradiesischerer Ort vorstellbar als diese Robinson-Insel mit seinen unendlich freundlichen, neugierigen und fröhlichen Bewohnern, mit denen man bei einem Besuch unweigerlich in Kontakt tritt. Man bekommt einen direkten und unmittelbaren Einblick in ihr alltägliches Leben, das in weiten Teilen noch unberührt ist von modernen Neuerungen, obwohl beide Inseln (Chizumulu und die Schwesterinsel Likoma) an das Stromnetz angeschlossen sind, das allerdings nur tagsüber angeschaltet ist. Da weder Chizumulu noch Likoma über Landungsbrücken oder Stege verfügen, beginnt dieser Kontakt schon beim Eintreffen, da man per motorisiertem Landungsboot oder Ruderboot oder Einbaum das jeweilige Schiff verlassen und zum Ufer gelangen muss.
Darüber hinaus bietet Chizumulu majestätische Baobabs, deren Früchte und Rinde intensiv zu medizinischen Zwecken genutzt werden, an Pirateninseln gemahnende Felsen, einen relativ hohen Berg, der spektakuläre Ausblicke nach Likoma und hinüber nach Mosambik ermöglicht, und – unserer Meinung nach – die schönste Bar der Welt. Und umgeben ist man dort von einem der größten Seen Afrikas mit azurblauem Wasser, Traumstränden, Palmen und Baobabs.
Diese Abgeschiedenheit ist es, die den Reiz der Insel ausmacht, die gemeinsam mit ihren Bewohnern ihre Ursprünglichkeit bewahrt hat, doch diese Abgeschiedenheit ist auch die verwundbarste Stelle. Die Abhängigkeit von der eigentlich so zuverlässigen Ilala kann zum Verhängnis werden. Auf Likoma gibt es immerhin einen kleinen Flugplatz, über den zahlungskräftige Touristen von Lilongwe her eingeflogen werden konnten.
Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 26(39)mm; F 5,6; 1/640 sec.; ISO 100

Auch die Kinder auf den Inseln fühlen sich beinahe magisch angezogen von Kameras und posieren gern, wobei sie am liebsten in die Linse kriechen würden. Diese halfen ihren Eltern bei den täglichen Arbeiten, wobei die Anwesenheit der Azungus natürlich eine willlkommene Gelegenheit für Ablenkung und jede Menge Späße war.

Die Fischer am Festlandsufer fangen auch noch größere Fische wie den Chambo, einen Buntbarsch, für den Verkauf auf den Märkten, aber die Fischer auf den Inseln haben sich vollständig auf kleinere Fische, die Kapentas, spezialisiert, die auf den großen Netzen am Strand getrocknet werden. Das macht sie haltbar und geeignet für den Transport zu den Märkten auf dem Festland. Größere Speisefische fangen sie nur zum direkten Eigenverzehr.
Wenn sich nachts ganze Schwärme der Sardinenart vor der Küste tummeln, fahren die Fischer gemeinsam in ihren Dhows hinaus und treiben die Fische mit ihren zwischen den Booten gespannten Netzen zusammen, einzig mit Laternen oder vereinzelt Taschenlampen ausgestattet. Schon sehr früh lernt auch der Nachwuchs die vielen, alten und von Generation zu Generation tradierten Handgriffe und Techniken, die zum Fischfang und der Verarbeitung gehören. Auf ihre Insel-Kultur sind die Bewohner dementsprechend stolz.