Nakapelimoru & the Karamojong – Nakapelimoru & die Karamojong

e/d 14 pictures


100 kilometres north of Moroto lies Kotido, a small and either dusty or muddy town in the centre of the huge Karamoja plains. Undistinguishable Kotido is mainly interesting because of its proximity to Nakapelimoru, one of the largest traditional settlements in eastern Africa. Approximately 10.000 Karamojong are living in Nakapelimoru. The settlement consists of traditional kraals, concentric circular enclosures and corrals to protect their cattle as well as the thatched huts of the families. From above, those small circles glued together in bigger circles resemble foam, sticking together like bubbles and forming a huge geometric structure – a Manyatta. The innermost corral is always reserved for cattle. Weiterlesen

Advertisements

Moroto & die Tepeth – Moroto & the Tepeth

d/e    18 pictures

Moroto ist eine verschlafene, aber sehr sympathische Kleinstadt am Fuße des gleichnamigen, 3.084 Meter hohen Berges an der Grenze zu Kenia. Mit 15.000 Einwohnern ist es das größte „urbane“ Zentrum der ugandischen Nordostprovinz Karamoja. Neben den wenigen größeren Siedlungen mit moderner Architektur und Betonhäusern leben die Karamojong im zum Teil semi-ariden Karamoja bis heute zumeist das traditionelle Leben von Rinderhirten, denen die Landwirtschaft oft nur ein Zubrot ist. Weiterlesen

Kiya in traditioneller Dorze-Bekleidung – Kiya in traditional Dorze clothes, Dorze Village, Guge Mountains, Ethiopia

Nikon D3200; Nikkor 35(52)mm, F 1,8; F 2,2; 1/125 sec.; ISO 100

Nikon D3200; Nikkor 35(52)mm, F 1,8; F 2,2; 1/125 sec.; ISO 100

Buna, Ambaras, Simien Mountains, Ethiopia

…Einladung zur traditionellen äthiopischen Kaffee-Zeremonie (Buna) – …invitation to a traditional ethiopian coffee ceremony (Buna)

Alle Bilder / All pictures: Nikon D3200; Sigma 18-50mm, F 2,8

Dorze boy, Dorze Village, Guge Mountains, Ethiopia

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 75(112)mm; F 5,3; 1/125 sec.; ISO 4000

Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 75(112)mm; F 5,3; 1/125 sec.; ISO 4000

Bei den Dorze


Die Dorze leben in den Guge Bergen nördlich von Arba Minch und gehören zu den Stämmen des sogenannten „Museums der Völker“ im Süden Äthiopiens, uralten Ethnien, die immer noch weitgehend so leben wie ihre Vorfahren. Einst waren die Dorze ein Volk der Jäger und Krieger, doch mit dem Verschwinden des Großwilds in der Region passten sich die Menschen an. Die etwa 28.000 Dorze, die heute noch in den Guge Bergen leben, bauen vor allem Enset, die „falsche Banane“, an, betätigen sich als Imker, betreiben Töpferei und sind berühmt für ihre Webstoffe, die überall im Land zu finden sind.




Beinahe ebenso berühmt wie für ihre Stoffe sind die Dorze für ihre ausgefallene Architektur. Die Hütten sind vollständig aus Enset-Blättern und Bambus geflochten, sind sehr hoch (anfangs bis zu 12 m), leicht und haben das Gesicht eines Elefanten, die heute in der Region ausgestorben sind. 40 Personen werden benötigt, um ein Dorze-Haus anzuheben und es – falls gewünscht – an einen günstigeren Standort zu tragen. Im Erdreich siedeln sich häufig Termiten an, die das Haus von unten her anknabbern, weshalb in regelmäßigen Abständen der Türstock etwas höher geschnitten wird und die Hütte auf diese Weise kontinuierlich schrumpft. Für Frischvermählte wird eine kleinere Version geflochten, in der das Paar unter sich bleiben kann und die später – nach dem Auszug des Sohnes und seiner Frau – als Küche oder Vorratsraum dient.




Es wirkt spielerisch einfach, wie die Dorze nur mit einer Art Spindel in der einen und einem Ballen Baumwolle in der anderen Hand diese zu dünnem, extrem weichem und gleichermaßen feinem Garn spinnen. Doch nach dem Selbstversuch wird klar: auch diese hohe Kunst kann erst mit jahrelanger Übung perfekt gelingen und dabei derart leicht aussehen. Die junge Frau, die bereits ihre Hütte für eine Besichtigung zur Verfügung gestellt hatte, beherrschte diese Kunst in eleganter und charmanter Manier, und ihr kokettierendes Lächeln zeigt, dass sie regelmäßig Gästen ihr Handwerk vorführt und durchaus konkrete Vorstellungen davon hat, wie sie auf einer Fotografie wirken und aussehen will.



Wie im Fall der Töpferei haben sich die Weber des Dorze Dorfes zu einer Kooperative zusammengeschlossen, und mit Hilfsgeldern wurde eine Weberei gebaut, in der heute viele Männer gleichzeitig unter kontrollierten und konstanten Bedingungen ihre Stoffe weben können. Weber, die nicht zur Kooperative gehören, weben zum Teil immer noch ihre Stoffe im Freien. Die Webstühle sind sehr primitiv, aber auch leicht und zum Teil sogar tragbar. Die Qualitäts- und Produktivitätssteigerung macht sich in jedem Fall bezahlt, sind die charakteristischen Stoffe der Dorze-Weber in Äthiopien heute doch beinahe omnipräsent. Besonders in den kalten Bergregionen des Nordens schätzt man die sehr warmen Stoffe, und so begegnen dem Reisenden auch in entlegenen Gemeinden weit weg von den Guge Bergen die typischen Stammesfarben und -muster der Dorze.






Enset oder Ensete (Ensete ventricosum) aus der Familie der Bananengewächse wird auch Zierbanane oder Abessinische Faserbanane genannt. Dabei handelt es sich um krautige, staudenartige Pflanzen, deren Ähnlicheit zur Banane ihr den Beinamen eintrug. Eigentlich besteht die Pflanze ausschließlich aus den nach mehreren Jahren Wachstum riesigen Blättern, deren Stiele sich über dem Boden jedoch zu einem Scheinstamm verdicken und eine Art Knolle bilden. Die Dorze schneiden diese Knolle auf und den unteren Teil der einzelnen Stiele in Streifen, aus denen sie mit scharfkantigen Bambusstäben das stärkehaltige Faserfleisch herausschaben. Der Faserbrei wird nochmals gehackt und – in Ensetblätter verpackt – für etwa drei Monate vergraben. In dieser „Reifezeit“ sorgt ein Gärprozess dafür, dass der Brei am Ende wie sehr strenger Käse riecht. Anschließend wird er mit Wasser und etwas Mehl zu Teig verarbeitet und als Fladen auf dem Feuer innerhalb weniger Minuten beidseitig gebacken. Dazu werden bei den Dorze traditionell Honig und die in ganz Äthiopien sehr beliebte und extrem scharfe Berbere-Paste – Hauptbestandteil ist das Nationalgewürz Berbere – gereicht. Der Geschmack ist für den ungeübten Gaumen äußerst gewöhnungsbedürftig und dürfte nur etwas für hartgesottene Käse-Fans sein. Die Enset-Pflanze ist in der Lage, in ihren sehr dicken, fasrigen Stielen große Mengen Wassers zu speichern und dadurch auch längere Trockenzeiten oder gar Dürren zu überstehen. Aus diesem Grund waren die Enset kultivierenden Stämme Südäthiopiens kaum betroffen von den großen Dürren und Hungersnöten im Äthiopien der 80er und 90er Jahre.






Aus der Notwendigkeit heraus, alles selbst herstellen zu müssen aufgrund der Abgeschiedenheit der Region, in der man lebt, entwickelten die Dorze die verschiedensten handwerklichen und kunsthandwerklichen Fähigkeiten. Die Stammesstrukturen sorgen dabei für eine klare Verteilung der einzelnen Aufgaben und Tätigkeitsfelder. Während die Männer Bau- und Ausbesserungsarbeiten, die körperlich schwere Arbeit mit den riesigen Enset-Pflanzen sowie das Weben der berühmten Stoffe zu ihren Aufgaben zählen, fällt den Frauen neben allen häuslichen Tätigkeiten einschließlich der Kindererziehung außerdem das Spinnen und Färben des zum Weben benötigten Garns und die Töpferei zu. Dazu verwenden die Dorze rötlichen Ton von den Ufern des Abbaye Sees, der mit schwarzem Lehm aus der näheren Umgebung der Dörfer in den Bergen vermischt wird. Beim Brennen verfärbt sich das Material zu einem satten, beinahe schwarzen Dunkelbraun. Gefertigt werden Alltagsgegenstände wie Vasen, Töpfe, Trinkgefäße, Schalen, aber auch Kunsthandwerkliches wie Figuren oder Tiere. Erst in zweiter Linie sind diese Produkte für den Verkauf an Touristen gedacht – vielleicht mit Ausnahme der Figuren. In der jüngeren Vergangenheit sorgten Hilfsorganisationen durch Projektfinanzierungen und Schulungen dafür, dass sich die zahlreichen einzelnen Produzenten zu Kooperativen zusammenschlossen und zu diesem Zweck Produktionsgebäude errichteten, um Qualität und Effektivität zu gleichermaßen zu steigern. Darüber hinaus wurden zusätzliche Vertriebswege erschlossen, weshalb etwa Stoffe und Töpferei-Produkte der Dorze überall in Äthiopien zu finden sind. Von solchen Initiativen profitieren tatsächlich alle in der Gemeinschaft – und sei es bloß durch den berechtigten Stolz auf die eigenen kulturellen Errungenschaften.



Für den Fotografen demonstriert Kiya, Fremdenführer und halber Dorze, die Tracht seiner Vorfahren, die noch Geparde, Flusspferde und Antilopen gejagt haben. Stolz ist man allerdings, die Traditionen mit den Errungenschaften der modernen Welt zu kombinieren und nicht länger als halbnackte Ausstellungsstücke für Touristen und Ethnologen zu posieren. Die Dorze-Jugend ist gespalten. Einerseits gibt es junge Menschen wie Kiya, die von einem Leben in Addis Abeba und einem modernen Beruf träumen, andererseits gibt es auch immer noch jene, die sich bewusst für das Bleiben entscheiden und den Lebensstil sowie die kulturellen Überlieferungen der Dorze weitertragen wollen. Nur mit der richtigen Balance kann dies tatsächlich gelingen.