Arboretum Raponda Walker (Foret de Mondah)

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d/e
Die letzten Tage unserer Gabun-Reise verbrachten wir in Libreville. Wir hatten uns allerdings noch einen Ausflug vorgenommen, nämlich in den Foret de Mondah, ein Waldgebiet am nördlichen Ende der Halbinsel, auf der auch Libreville liegt. Jenseits dieser Halbinsel beginnt bereits Äquatorialguinea. Teile des Mondah-Waldes waren in der Vergangenheit gerodet und landwirtschaftlich genutzt worden, bevor das Gebiet unter Schutz gestellt und wieder aufgeforstet worden war.


Benannt wurde das Arboretum nach einem der berühmtesten Kinder des Landes, Raponda Walker. Walker war der Sohn einer Einheimischen vom Stamm der Mpongwe und einem britischen Kaufmann, und er wurde 1899 zum ersten gabunischen Priester geweiht. Berühmt wurde Walker allerdings für seine Dokumentation der gabunischen Geschichte. Er hatte Kenntnisse in zwölf einheimischen Sprachen und führte zahlreiche Interviews mit Vertretern der verschiedenen Ethnien im Land. Seine Arbeiten bilden bis heute die Basis für die Forschung in den Bereichen Anthropologie und Linguistik in der Region.

Mit einem Taxi fuhren wir die etwa 20 Kilometer zum Arboretum, das uns deshalb reizte, weil man dort allein – und kostenlos – auf markierten Wanderwegen in den Regenwald eintauchen kann. Der besteht aus jüngerem Sekundärwald und Resten des alten Primärwaldes mit Baumriesen von bis zu 60 Metern Höhe. Der Wald beherbergt eine große Vielfalt an Insekten, Vögeln, Reptilien und Soldaten. Denn ein Teil des Areals ist bis heute Sperrgebiet der gabunischen Armee, in dem sie den Guerillakampf im Regenwald erprobt.

Wir hatten uns die längste mögliche Route herausgesucht, die uns einmal quer durch das Waldgebiet bis zu einem Strand an der Küste führen sollte. Am Eingang sind die Wege noch breit, doch tiefer in den Wald gelangt man auf schmalen, aber gewissenhaft angelegten und hervorragend markierten Pfaden, und schon nach wenigen Minuten hat man das Gefühl, mitten im Dschungel zu sein, fernab jeglicher Zivilisation. Die ältesten und größten Bäume sind markiert und können mithilfe eines Übersichtsplans bestimmt werden. Den aber zu bekommen, ist verdammt schwierig und bedarf einer vorherigen Anmeldung beim Forstamt, bei dem man sich dann nach Absprache eine Kopie abholen kann.


Wir waren allein im Wald, und nach gut einer halben Stunde waren wir völlig eingetaucht und aufgegangen in der überwältigenden Struktur überbordender Vegetation, als sich plötzlich zu unserer vollständigen Verblüffung menschliche Umrisse aus ebenjener Vegetation herausschälten. Doch es blieb nicht bei Umrissen. Aus ihnen wurden echte Menschen, und die trugen Kampfanzüge in Tarnfarben, zielten mit Maschinengewehren auf uns und brüllten uns auf Französisch an. Wir waren derart entgeistert, dass sie uns mal lieber auf Deutsch oder Englisch angebrüllt hätten, um zu uns durchzudringen. Wir lächelten freundlich, ich hob sogar irgendwie entschuldigend die Hände, und wir traten zur Seite, um sie vorüberzulassen. Doch sie schrien weiter auf uns ein, während sie uns umzingelten. Ich verstand irgendetwas mit „terre“, und es begann zu rattern in meinem Kopf. Na klar, terre, die wollten, dass wir uns auf den Boden legen. In dem Augenblick tauchte ein weiterer Uniformierter im Hintergrund auf, allerdings unbewaffnet und auffällig lässig daher schlendernd. Er rief den Soldaten zu, dass sie die Touristen ruhig leben lassen und sich auf ihre Mission konzentrieren sollten. Uns winkte er zu sich. Er erklärte, dass im Wald gerade ein Manöver durchgeführt werde, wir uns aber bloß nicht stören lassen sollten. Dann wünschte er uns noch einen schönen Aufenthalt.

Der Strand war schließlich der vermutlich idyllischste, den ich je gesehen habe – wenn man den Plastikmüll ignorierte. Wir rechneten zwar damit, dass jeden Moment Froschmänner aus den Fluten auftauchten oder Fallschirmspringer von oben auf uns herabstürzten, aber glücklicherweise blieb dort alles friedlich. Auf dem Rückweg kamen wir dann sogar doch noch zu einem schönen Wildtiererlebnis, als eine sich auf dem Weg sonnende Lianennatter vor uns ins Gebüsch flüchtete. Da ich nur die Leica mit dem Weitwinkel dabei hatte, musste ich die Kamera wohl oder übel zu der ziemlich giftigen Schlange in den Busch stecken, um ein gutes Bild zu bekommen, immer in der Hoffnung, die erste Attacke möge dem Objektiv gelten und nicht meinen Fingern, die ich so weit wie möglich hinter der Kamera versteckte. Aber die Schlange guckte bloß interessiert und wartete, bis ich mein Foto hatte. Dann verließen wir sie, den Wald, Libreville und das Land – nach einer irgendwie schrägen, unendlich anstrengenden und bitteren Reise.

We spent the last days of our journey through Gabon in Libreville, but we had planned one last excursion. This should lead us to the Foret de Mondah, a forest at the northern tip of the Libreville peninsula. Beyond that peninsula, there is already Equatorial Guinea. Parts of the Mondah forest had been cleared in the past for agricultural use, before it got protected and reforested.


The Arboretum is named after the country´s most famous son, Raponda Walker. Walker was the child of a local Mpongwe woman and a British merchant, and he became the first Gabonese to be ordained as a catholic priest in 1899. But what really brought him widespread recognition, was his documentation of the Gabonese history. He had knowledge in twelve local languages and conducted many interviews with people from the different tribes in the country. To the present day, his works are still basic to everyone doing research in anthropology or linguistics in that region.

We took a taxi to cover the 20 km to the Arboretum, which we really wanted to visit because one could hike there for free and without a guide, immerse in the rainforest on marked footpaths. There is younger secondary forest as well as remnants of the ancient primary forest, including giant trees of up to 60 m height. The forest is home to a widespread variety of insects, birds, reptiles and soldiers. Because a part of the area is a restricted zone of the Gabonese army for training guerilla warfare in the rainforest.

We had chosen the longest possible trail that should lead us through the whole forest to a beach at the coast. At the entry, the trails are still wide but deeper in the forest, they are quite narrow but neatly laid out and excellently marked and after a few minutes, you already get the feeling of being in the middle of the jungle, far from every kind of civilization. The oldest and biggest trees are marked and can be assessed through a list which is hard to get your hands on, because you need a prior registration at the forestry office and then, you can pick up a copy of the list on arrangement.

We were alone in the forest and after half an hour or so, we had completely immersed in and merged into the overwhelming structure of the overflowing vegetation, when suddenly human outlines cropped up out of that vegetation. And the outlines were followed by real humans wearing camouflage battle dresses, pointing machine guns at us and shouting in French. We were so flabbergasted, that it would have been far more effective for them yelling at us in German or English in order to get through to us. We smiled politely, I even raised my hands as an apology, and we stepped aside to let them pass, but they kept shouting while encircling us. I heard the word “terre”, and my brain started digging deep. Hell yes, terre, they wanted us to get on the ground. In that moment, another uniformed man appeared in the background, yet unarmed and strikingly laid-back, like on a stroll in the park. He told the soldiers that it would be ok to not shoot the tourists and to get on with the mission. Then he beckoned us over and explained, that they were in the middle of a manoeuvre, but we shouldn´t bother. In the end, he said goodbye, wishing us a pleasant hike.

The beach was one of the most idyllic I have ever seen – if one is able to ignore all the plastic trash. Even though we expected some army divers to arise from the sea at every moment, or paratroopers jumping down on us but fortunately, everything remained calm and peaceful. On our way back, we even had a nice wildlife experience when we flushed a forest vine snake taking a sunbath on the trail. It hid in the bush right next to the trail, but I had only my Leica with the wide-angle lens with me, so I had to stick the camera right into the bush with the highly venomous snake to get a decent picture. I was hoping that the first attack would address the lens and not my fingers which I tried to hide behind the camera as best as possible. But the snake just observed me curiously until I had managed to make my photo. Then we left her as well as the forest, Libreville and the country – after a somehow quirky, infinitely strenuous and bitter journey.

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2 Kommentare zu “Arboretum Raponda Walker (Foret de Mondah)

  1. afrikafrau sagt:

    Gabun habe ich nicht bereist, war jetzt bei deinem Bericht voll dabei, spannend

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