Lopé II – Lost Highway

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d/e
Wir versuchten noch, von Mayumba aus den Süden des Loango Nationalparks zu besuchen, bekamen aber bei einem Anruf die brüske Antwort, dort sei alles ausgebucht und Camping nicht erlaubt, was bei uns allerdings zu nicht mehr als einem Schulterzucken reichte. Gabun will keine Touristen, das hatten wir inzwischen verstanden.




Also machten wir uns auf den langen Weg zurück gen Norden nach Mouila. Da sonst nichts weiter möglich schien, hatten wir beschlossen, in den Lopé Nationalpark zurückzukehren und für viel Geld einen Aufenthalt im Mikongo Vision Camp tief im Urwald zu buchen. Wir hatten die Hoffnung auf eine Begegnung mit Primaten noch nicht ganz aufgegeben. Glücklicherweise verlief die Fahrt zurück nach Mouila bedeutend ereignisloser als die Hinfahrt nach Mayumba. Es ging mit demselben Fahrer im Jeep bis Tchibanga, wo wir dieses Mal jedoch einen Minibus nahmen, der täglich zwischen Tchibanga und Lambaréné pendelt. Der Fahrer kannte folglich alle Polizisten, Gendarmen und Checkpoints, und er wollte mittags bei Ankunft der Boote aus Port Gentil in Lambaréné sein. Tatsächlich wurden wir nicht ein einziges Mal genauer kontrolliert, da er alle Versuche mit dem Hinweis abwimmelte, er habe auf der Rückfahrt am Nachmittag mehr Zeit und werde dann bezahlen.


Von Mouila nahmen wir morgens einen Minibus nach Bifoun, dem Ort an der Kreuzung, von der es noch etwa 60 Kilometer bis Ndjolé waren. Es war noch Vormittag, und da es dauerte, bis die Minibusse von Libreville nach Ndjolé dort vorbeikamen, versuchten wir unser Glück schon einmal bei allen anderen Fahrzeugen, Trucks, Pkw, Jeeps, die vorüberfuhren. Ein freundlicher Libanese, der seit vielen Jahren in Gabun lebte, für eine Baufirma arbeitete und inzwischen auch eine zweite Staatsangehörigkeit besaß, nahm uns nach einigen Minuten in seinem Jeep mit – zum Verdruss einiger junger Männer, die – ohne Auftrag – an der Kreuzung nach Minibussen für uns Ausschau hielten, um später für die Vermittlung eine Belohnung zu kassieren.


In der größten Mittagshitze fanden wir uns anschließend im Zentrum Ndjolés unweit des Marktes gemeinsam mit Hunderten anderer Gestrandeter wieder, die wie wir alle darauf hofften, in einem der durchfahrenden Minibusse einen freien Platz nach La Lopé oder darüber hinaus ergattern zu können. Einen Umstand, der die Situation zusätzlich drastisch verschärfte, kannten wir da noch gar nicht: Nach einem Zugunfall war der Bahnverkehr vollständig eingestellt worden. Währenddessen suchten auch in Ndjolé ungefragt gleich zwei Vermittler nach Plätzen für uns, obwohl das völlig überflüssig war, da die Fahrzeuge sowieso höchstens in Schrittgeschwindigkeit an uns und den anderen vorbei durch die enge Straße hindurchkamen. Und weil es schlicht keine freien Plätze gab.


Während ich in der Gluthitze stetig durchgarte, verlor ich schließlich die Geduld und irrte nach irgendeiner Lösung suchend durch Ndjolé. Irgendwann fragte ich mit dem schlechtesten Französisch in der Geschichte der Sprachen – also mit Händen und Füßen – einen Taxifahrer, ob er wisse, wie wir es an diesem Tag noch nach La Lopé schaffen könnten. Erstaunlicherweise wusste er es tatsächlich. Nach einem mittleren Scharmützel mit den beiden Vermittlern, denen er ja das Geschäft – also uns – wegnahm, stopfte er uns gemeinsam mit vier weiteren Opfern in seine Toyota-Limousine und fuhr uns 60 Kilometer bis zu einer Kreuzung mit der Hauptverbindungsstraße in den Norden. Dort führte rechterhand auch eine enge Stahlbrücke über den Oogué, und auf der anderen Seite warteten die 101 Kilometer berühmt-berüchtigter Piste bis nach La Lopé, die die vielen LKW- und Minibus-Fahrer noch viel weiter auf ihrem Weg nach Franceville im Südosten des Landes nehmen müssen. Noch bevor ich feststellen konnte, dass mein rechtes Bein im Auto nicht vollständig zerquetscht worden war, hatte unser Fahrer einen Trucker, der dort gerade ein verspätetes Mittagessen einnahm, davon überzeugt, uns mit nach La Lopé zu nehmen – für einen geringen Obulus. Gesagt, getan!



Wir hatten Glück, denn der kamerunische Fahrer fuhr leer in seinem ziemlich neuen Mercedes-LKW nach Franceville, was bedeutete, dass wir viel schneller vorankamen als alle anderen – einschließlich der zwei, drei vollgestopften Minibusse, die wir unterwegs überholten. Das größte Glück aber war, dass wir den letzten LKW des Tages abgepasst hatten, und auch ihn hatten wir nur erwischen können, weil der Auflieger ihm schon den ganzen Tag Probleme machte und für Verzögerungen gesorgt hatte. Es war der Tag des Fußball-WM-Finals, und wir rumpelten, halb auf unseren Rucksäcken im Führerhaus des LKWs sitzend, durch den zentralafrikanischen Regenwald, während uns der Fahrer erklärte, wie die größten Tiere einer Gruppe die Straße absperrten, wenn eine Elefantenfamilie kreuzen wollte. Als wir an der Stelle vorüberkamen, an der wir uns bei unserm ersten Besuch die eisenzeitlichen Felsgravuren angesehen hatten, war es bereits dunkel. Bei unserer Ankunft in La Lopé, als es sich der Trucker aus Kamerun nicht nehmen ließ, uns direkt vor dem Hotel abzusetzen, war Frankreich bereits seit einer guten halben Stunde Weltmeister. Fortsetzung folgt…


We tried to reach Loango National Park from Mayumba in the south, but when we called there, they brusquely told us that they were fully booked and camping not allowed. That only made us shrug indifferently. Gabon doesn´t want tourists, we already got that!


So, we sat out for the north, returning to Mouila. Since nothing else seemed possible, we had decided to return to Lopé National Park and booked a stay at the expensive Mikongo Vision Camp deep in the jungle. We still had not given up the hope of having an encounter with one of the numberless primates. Fortunately, the drive back to Mouila turned out to be less eventful than the way down to Mayumba. We took the same jeep with the same driver to Tchibanga but there, we changed to a minibus commuting between Tchibanga and Lambaréné on a daily basis. As a consequence, the driver knew all the police and Gendarmerie officers as well as the checkpoints, and he wanted to reach Lambaréné by noon when the boats from Port Gentil arrive. As a matter of fact, there was not a single close control along the way, because he always told them that he was in a hurry and that he would return in the afternoon and pay the obligatory bribe.


In the morning, we took an early minibus from Mouila to Bifoun, a junction town from where it is only around 60 km to Ndjolé. It was still morning, when we reached Bifoun, and we knew that it could take some time for the minibuses from Libreville to arrive, so we started to look for any other possible transport, trucks, cars, jeeps, whatever came along. After only a few minutes, a kind Lebanese gave us a ride in his 4×4, and that turned out to be a big surprise for some young men on the lookout for free places for us in the transport crossing the junction – without us having asked for this special service for which we surely would have had to pay in the end. The man was living in Gabon for decades working for a construction company and having already obtained a second passport.


In the relentless midday sun, we ended up in the centre of Ndjolé, not far from the market and together with hundreds of other stranded people, all of us hoping to snag an empty seat in one of the incoming minibuses to La Lopé or beyond. What we didn´t know at that point and what made everything only worse was, that all railway traffic had come to a complete halt after an accident. Meanwhile, two young men were searching for empty seats for us – unsolicited of course. And superfluous, because the vehicles were passing the crowded road in walking pace, and there were simply no free seats left.



After becoming well-done in that heat, I lost my temper and started wandering the streets of central Ndjolé in search of any solution for our situation. At some point, I asked a taxi driver if he knew how it would be possible, theoretically, to reach La Lopé still on that day, using the worst French in the history of languages, which means grunting and miming. Surprisingly, he had an answer. After a small battle with the two guys secretly working for us whom he stole a potential profit, he crammed us into his Toyota limousine along with four other victims and drove us 60 km to a junction with the main road up north. Opposite to the north road, there was a steel bridge crossing river Oogué and on the other side, 101 km of an infamous dirt road lead to La Lopé, from where many of the truck and minibus drivers must proceed for hundreds and hundreds of kilometres down to Franceville in south-eastern Gabon. Before I could check if my right leg had been terminally crushed, our driver convinced a truck driver taking a late lunch at a small eatery to give us a lift to La Lopé – for a small amount of money. And off we went.



We were lucky, because the Cameroonian driver was on an empty journey down to Franceville in his fairly new Mercedes truck, and that meant that we were faster than anybody else – including the two or three minibuses we were overtaking on our way to La Lopé. But the best thing was that we had caught the last truck of that day, only because he had had some trouble with the trailer which had caused a serious delay. It was the day of the Football World Cup final, and we were rumbling through the central African rainforest, sitting on our backpacks in the cabin of a Mercedes truck, while the driver explained to us how the largest animals of a group are blocking the road when elephants are crossing. When we passed the place with the Iron Age engravings, it was already dark. On our arrival in La Lopé, the driver took the opportunity to drop us directly in front of the hotel. France had won the final half an hour before. To be continued…

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2 Kommentare zu “Lopé II – Lost Highway

  1. afrikafrau sagt:

    wieder ein packender interessanter Bericht, realitätsnah, nicht verklärt…..

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