Lopé I – Die Sache mit dem Zug – The train issue

26 pictures

d/e
Wir hatten Glück, denn der Van brachte uns tatsächlich ohne Thrombose, Quetschungen oder sonstige Verletzungen nach Ndjolé, an dessen Marktplatz wir gegen fünf Uhr feststellen mussten, dass unser Ziel auf der Straße an diesem Tag in keinem Fall mehr zu erreichen war. Also fuhren wir zum Bahnhof, der einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Es hatte zwar keine Fahrkarten mehr von Libreville nach La Lopé gegeben, aber vielleicht war es möglich, für die viel kürzere Strecke zwischen Ndjolé und La Lopé, was nur wenige Stationen waren, eine Mitfahrgelegenheit im Zug zu bekommen. Dessen Ankunft wurde irgendwann nach Mitternacht erwartet.

Der Bahnhof von La Lopé – La Lopé train station

Mangan-Zug – Manganese train

Als wir am Bahnhof ankamen, bemerkten wir, dass wir nicht die einzigen waren, die diese Idee hatten. Auch einige Einheimische waren, ohne einen Fahrschein zu haben, auf der Straße nach Ndjolé gekommen, um nachts noch einen Platz in der Transgabonais in den Südosten des Landes zu ergattern. Und es wurden im Laufe des Abends immer mehr.

Die Bahnhöfe entlang der Strecke der Transgabonais sehen alle gleich aus, gelb und blau gestrichene Gebäude mit riesigen kreisrunden Öffnungen zur Vorderseite sowie einem offenen Warteraum mit klassischen Fahrkartenschaltern und den ungemütlichsten Holzbänken, die man sich vorstellen kann. Und ein Flachbildschirm, auf dem an diesem Abend ein Vorrundenspiel der WM lief. Deutschland war bereits raus, und ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wer überhaupt gespielt hat, aber die Partie sorgte wenigstens für etwas Ablenkung.

Oogué

Wir sprachen mit einem sehr netten Mann von der Eisenbahnpolizei, dem wir beweisen mussten, dass wir all unsere Rucksäcke tatsächlich auch selbst tragen konnten, was wohl die Voraussetzung dafür war, überhaupt eine Chance auf einen Platz im Zug zu haben. Er sagte uns, er könne nichts versprechen, aber er werde mit dem Schaffner reden, ob man uns die relativ kurze Strecke nicht im Speisewagen mitnehmen könne. Dass erzählte er im Anschluss auch noch den 20 bis 30 Einheimischen, die in derselben Lage waren wie wir. Als irgendwann jedoch die Pässe der Wartenden eingesammelt wurden, wuchs auch in mir die Zuversicht, am Ende tatsächlich noch mitgenommen zu werden. Den Aufwand betreiben die nicht zum Spaß, dachte ich mir.

Als der Zug weit nach Mitternacht in den Bahnhof rollte, wurden letztlich alle Anwesenden mitgenommen. Der Eisenbahnpolizist befürchtete, es könne andernfalls zu Unruhe kommen, was mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit Handgreiflichkeiten beinhalten würde. Also bestiegen wir alle völlig übermüdet und genervt den Speisewagen, der einigermaßen geräumig, klimatisiert und geschwängert vom Duft gebratenen Fleischs, von Gemüse und Soßen war, so dass man darüber hinwegsehen konnte, in Ermangelung von Sitzgelegenheiten auf dem Fußboden Platz nehmen zu müssen. Dann begannen ein Schaffner und eine Schaffnerin gemeinsam, die Namen der fahrscheinlos Zugestiegenen von der Liste, die sie von der Eisenbahnpolizei erhalten hatten, aufzurufen. Diese wurden dann abgehakt, mussten bezahlen und erhielten ihren Pass zurück.

Leider verfügten die Beiden über kein allzu großes Maß an Routine, so dass sich die Prozedur die drei Stunden bis kurz vor La Lopé hinzog. Aber am Ende war das vermutlich gar nicht schlecht, denn die einzelnen Stationen werden nicht ausgerufen, und wer kein Arrangement mit dem Schaffner trifft und einschläft, wacht unter Umständen am falschen Ende des Landes wieder auf. Wir verpassten den Ausstieg in jedem Fall nicht, auch wenn es da bereits gegen halb vier Uhr morgens war. Wir nahmen unsere großen Rucksäcke entgegen, die am Ende natürlich doch im Gepäckwagen gelandet waren und verließen den Bahnsteig des Bahnhofs von La Lopé, der eine exakte Kopie des Bahnhofs von Ndjolé ist.

Wir waren allein, aber Angst mussten wir keine haben. Die kleine Siedlung wurde hell erleuchtet von unzähligen Laternen, deren strahlend-weißes modernes Licht furchtbar deplatziert wirkte im staubigen Western-Kaff, das La Lopé ist. Wir wussten ungefähr, wo das Hotel Mbeyi lag, in dem wir von Libreville aus ein Zimmer gebucht hatten und machten uns auf den Weg. Dabei passierten wir auch das „Kraftwerk“ unweit des Bahnhofs, eine Station mit Dieselgeneratoren, die die meiste Zeit mit Höllenlärm vor sich hin ratterten und all die Laternen, Klimaanlagen und Kühlschränke des Ortes erst möglich machten. Am Hotel wusste der Nachtwächter glücklicherweise Bescheid und zeigte uns wortlos das Zimmer. Wir schalteten die Klimaanlage ein, installierten unser Moskitonetz, rauchten eine letzte Zigarette vor der Tür und fielen schließlich wie tot ins Bett.

La Lopé liegt an der nördlichen Grenze des Lopé NP am Oogué und nur wenige Kilometer südlich des Äquators. Von hier aus können Touren in den Nationalpark, der mit 5.360 Quadratkilometern einer der größeren des Landes ist, unternommen werden. Mitten in den den größten Teil Gabuns bedeckenden Regenwaldgebieten bietet Lopé eine landschaftliche Besonderheit. Während der letzten Eiszeit vor etwa 18.000 Jahren führte das kühlere und trockene Klima zum Verschwinden von Teilen der Regenwälder, und übrig blieb offene Savanne, die erst vor etwa 12.000 Jahren wieder vom Wald zurückerobert wurde. Aufgrund der im Landesmittel weiterhin relativ geringen Regenmengen sowie früher Besiedlung durch den Menschen blieben größere Flecken auch weiterhin ohne Wald, so dass sich der dort heute charakteristische Flickenteppich aus Savanne und Regenwald ergab. In dem gibt es westliche Flachlandgorillas, Schimpansen, Mandrills, schwarze Panther, Waldbüffel, Waldelefanten und noch viel mehr – zumindest theoretisch.

Die Rückseite des Hotel Mbeyi – The back of Hotel Mbeyi

Am nächsten Tag besorgten wir uns direkt Bahntickets, um nicht noch einmal in eine solche Lage zu geraten. Wir wollten weiter nach Franceville, um eine unserer üblichen Runden durch das gesamte Land zu drehen. Dann arrangierten wir im luxuriöseren Lopé Hotel, von dem das Hotel Mbeyi der preisgünstigere Ableger ist, eine Wanderung im Regenwald sowie einen Game Drive in der Savanne für den nächsten Tag und machten einen Spaziergang am Ufer des beeindruckenden Oogué, aus dem zur Trockenzeit zahllose Felsen ragten, zwischen denen das Wasser in gefährlichen Stromschnellen hindurchströmte. Außerdem freundeten wir uns mit den Mauretaniern an, die unserem Hotel direkt gegenüber einen kleinen Supermarkt betrieben, der uns mit Zigaretten und eiskalten Softdrinks versorgte.

Zwischen dem Hotel und dem Supermarkt verlief die RN 1, eine astreine Waschbrettpiste übelster Sorte, die von Libreville kommend durch den Nationalpark führt und – später wieder asphaltiert – bis nach Franceville und weiter zur kongolesischen Grenze reicht. Auf der Supermarkt-Seite der RN1 brach abends noch ein Buschfeuer aus, das erstaunlicherweise aber niemanden wirklich zu interessieren schien. Die dicken Frauen links vor dem Eingang des Hotels saßen wie eigentlich immer vor ihrer Hütte, in der sie bushmeat brieten und verkauften, und betranken sich mit Bier, Marke Regab, in Halbliter-Flaschen. Wer dort nicht mitsoff, traf sich bei den Mauretaniern, die täglich von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr abends geöffnet hatten. Fortsetzung folgt…




We were lucky because the van actually brought us to Ndjolé without thrombosis, bruises or other injuries. At the market in Ndjolé, we had to accept the fact that there was no way how we could reach La Lopé by road on that very day, so we took a taxi to the train station a few kilometres out of town. There had been no tickets Libreville – La Lopé anymore, but we thought that it might be possible to hop on the train for the short-distance-ride from Ndjolé to La Lopé, for that is only a few stations. The train was expected to arrive at some unknown time, but for sure after midnight.


When we arrived at the station, we noticed that we hadn´t been the only ones with that idea. Several locals had come to Ndjolé by road without owning a valid ticket to take the chance of snagging a place in the train that night, and in the course of the evening many others followed.

The stations along the tracks of the Transgabonais all look alike, rectangular buildings painted in yellow and blue, with huge circular apertures at the front as well as a big open waiting area with classic ticket counters and the most uncomfortable wooden benches one can think of. Not to forget the huge flat screen tv where there was a preliminary game of the Football World Cup on that evening. Germany had already been eliminated, and I don´t remember the game anymore, but it has been a pleasant diversion.

We talked to a friendly guy from the railway police whom we had to prove that we were actually capable of carrying all our backpacks ourselves. I guess that this was the prerequisite for having a chance snagging a place on the train at all. He told us that he could make no promises, but he would talk to the conductor to give us a lift in the buffet car. Afterwards, he told the same the 20 to 30 locals in the station sharing our fate. At some point they started to collect the passports of the waiting. That was the moment when I felt a confidence growing in me, the inkling that we would be on that train. That is too much effort to be just for fun, I told myself.

In the end, all people still present were allowed to enter the buffet car, when the train arrived long after midnight. The railway policeman feared the outbreak of a riot, and it was very likely that fisticuffs would have been a part of it then. So, we all had been extremely tired and fed up when we got on the buffet car that was reasonably spacious, air-conditioned, with the heavy scent of roasted meat, vegetables and sauces, and that made us forget that we had to sit on the floor because of a lack of seating. Then, a conductor and a conductress started calling the names of the people without ticket from a list the railway police had handed over to them. Your name got ticked on the list, you had to pay for the ticket, and then you got your passport back.

Unfortunately, the two of them haven´t been too experienced, so the procedure took three long hours till just before La Lopé. Maybe this even had been something positive as the single stations won´t be announced on the train. Those without an arrangement with the conductor should not fall asleep because you might wake up in a whole different corner of the country. In any case, we didn´t miss our exit even though it has already been around half past three when we reached La Lopé. We were handed our big backpacks which had ended up in the luggage car of course and left the station which is a precise copy of Ndjolé station.

We were alone, but there was no need of being afraid. The small settlement was brightly lit by innumerable streetlamps, spreading modern, radiant white light around the dusty village of La Lopé, and this light just felt incredibly out of place. We vaguely knew the way to the Hotel Mbeyi where we had booked a room from Libreville. Not far from the station we passed the “power plant”, a unit with Diesel generators noisily going about their daily business and only bringing the streetlamps, AC´s and fridges in the village to life. Fortunately, the night guard at the hotel was aware of us coming and showed us the room without uttering a word. We turned on the AC, installed our mosquito net, smoked a last cigarette in front of the building and fell into bed dead tired.

La Lopé lies on the northern boundary of Lopé NP right on the banks of river Oogué and only few kilometres south of the equator. The village is the starting point for trips to the National Park that is one of the bigger parks in Gabon with a protected area of 5.360 square kilometres. Amidst the enormous rainforest which covers most of the country´s area, Lopé is offering a very special landscape. During the last ice age 18.000 years ago, the cool and dry climate led, to some extent, to the disappearance of the rainforest. What was left was open savanna being regained by the forest only 12.000 years ago. Because of the relatively low average annual rainfall as well as the early settlement of man, large areas remained savanna, resulting in the patchwork of forest and savanna one can experience at Lopé today. It is populated by western lowland gorillas, chimpanzees, mandrills, black panthers, forest buffaloes, forest elephants and many other animals – theoretically.

Just to be safe, we bought our train tickets right on the next day. We had planned to proceed to Franceville for one of our usual round trips through the country. Then, we organized a forest walk as well as a game drive in the savanna for the next day with the more luxurious Lopé Hotel that has the same management as Mbeyi Hotel. Afterwards, we took a walk along the bank of mighty river Oogué with its countless rocks sticking out of the water during dry season and creating dangerous rapids. Furthermore, we made friends with the Mauritanians running a small supermarket just on the other side of the road from our hotel, providing us with cigarettes and cool soft drinks.

Between the hotel and the supermarket, the RN1, a horrible dirt road, is running from Libreville through the National Park and – further south as a tarmac road again – on to Franceville and the Congolese border. In the evening, there was a bush fire on the other side of the RN1, but nobody seemed to care. As usual, the fat ladies left to the hotels entry were sitting in front of the shed where they roast bushmeat and sell it to the people while getting drunk on Regab beer in half-litre bottles. Those not in the mood for boozing met at the Mauritanian supermarket which is open from eight in the morning up to ten at night. To be continued…

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu “Lopé I – Die Sache mit dem Zug – The train issue

  1. afrikafrau sagt:

    wo ist mein kommentar… also begeistert habe ich wieder deinen so realistischen, trotzdem
    schönen Bericht gelesen, das ist Afrika nie perfekt und i wie auf den Photos zu sehen ist
    für mich wunderschön…..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.