Gabun / Gabon – Un voyage ardu


d/e

Auf unseren Reisen in Ostafrika haben wir uns in den vergangenen Jahren immer wieder der DR Kongo angenähert – und damit auch dem großen Regenwald des Kongobeckens, dem zweitgrößten Regenwaldgebiet nach dem im Amazonasbecken. Beim Besuch in dessen östlichstem Ausläufer, dem Ituri-Wald, der im äußersten Westen Ugandas im Semliki Nationalpark geschützt wird, hatten wir im vergangenen Jahr bereits einen flüchtigen Eindruck dieses majestätischen Waldes bekommen. Aber wir wollten ganz hinein.

Das Regenwaldgebiet des Kongobeckens erstreckt sich über die DR Kongo, die Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik, Gabun, Äquatorialguinea und den Süden Kameruns. Wer sich die Mühe macht, sich mit der aktuellen politischen sowie der Menschenrechtssituation in diesen Ländern auseinandersetzen, wird feststellen, dass derzeit bloß Gabun bereist werden kann, ohne befürchten zu müssen, sich eine Kugel oder Ebola einzufangen.

Also begannen wir, für Gabun zu planen, das eines der teuersten Länder mit einer der teuersten Hauptstädte der Welt ist. Aber vor zwei Jahren hatten wir in Sambia einen Südafrikaner getroffen, der einmal zum Angeln dagewesen war und erzählt hatte, dass das alles kein Problem sei, denn man könne überall sein Zelt aufschlagen. Das scheint sich geändert zu haben, und rückblickend muss man es wohl diplomatisch als Risiko bezeichnen, ein Land zu bereisen, von dem es neben dem Expat-Guide der Franzosen bloß einen einzigen ernsthaften Reiseführer gibt. Und der ist bereits vier Jahre alt und über eine optimistische bis naive – hinsichtlich der zukünftigen touristischen Entwicklung Gabuns – erste Auflage nie hinausgekommen. Trotz allen natürlichen und kulturellen Reichtums hat es gute Gründe, warum Touristen im Vergleich zu Ostafrika eher tröpfchenweise nach Gabun kommen und häufig froh sind, es wieder herauszuschaffen.

Vor einigen Jahren hat Präsident Ali Bongo, der das Amt von seinem Vater geerbt hat, vier Säulen zur Entwicklung des westafrikanischen Landes für die Zukunft proklamiert. Naturschutz bildet eine der Säulen. Immerhin ist Gabun noch zu mehr als 80 Prozent von Regenwald bedeckt. Bildung ist die zweite Säule, die Industrie des Landes die dritte. Die vierte aber soll der Tourismus sein, und nach unseren Erfahrungen in diesem Jahr muss man den Verantwortlichen für die Umsetzung schlicht Totalversagen attestieren.

Gabun liegt auf dem Äquator, ist in etwa so groß wie Westdeutschland, hat aber gerade einmal zwei Millionen Einwohner, von denen die meisten in der Hauptstadt Libreville, der wirtschaftlichen Hauptstadt Port Gentil sowie den wenigen Städten im Landesinneren leben. An Bodenschätzen ist Gabun fast ebenso reich wie an Natur. Es gibt Öl und Gas vor der Küste, Mangan, Gold und Tropenholz im Landesinneren. Und gemäß der Françafrique-Doktrin haben vielfach die Franzosen ihre Finger im Spiel. Doch auch die Chinesen und Inder drängen verstärkt auf lukrative Geschäfte mit der schmalen, aber steinreichen Führungselite des Landes. Die Städte sind voll mit Expats, die allesamt in einer postkolonialen Traumwelt zu leben scheinen, ohne die Einheimischen, zwischen denen sie leben, tatsächlich wahrzunehmen. Die Läden sind voll mit französischen Waren, im Inland wird eigentlich fast nichts selbst produziert.

Die Infrastruktur ist eine Katastrophe, Verkehrsmittel so rar, dass die Sitzplätze versteigert werden, und die Transgabonais, die Eisenbahnlinie von Libreville im Nordwesten quer durchs Land nach Franceville im Südosten, ist nur nachts unterwegs und glänzt durch Verspätungen, Ausfälle sowie regelmäßige „Krisen“. Hinzu kommen die korrupten Sicherheitskräfte – Gendarmerie und Polizei, die vor und nach jeder Stadt entlang der Straßen Kontrollpunkte eingerichtet haben, an denen sie sich von den Fahrern kräftig schmieren lassen. Eigentlich geht es um das Aufspüren illegaler Einwanderer aus Westafrika, da die Regierung keine Lust hat, sich auf diese Weise das Islamistenproblem zu importieren. Denn ursprünglich gibt es im Land so gut wie keine Muslime. Was Polizei und Gendarmerie allerdings daraus machen, gleicht Mautstationen. Bei Weißen schaut man stets noch ein bisschen genauer hin, studiert neugierig die Visa im Reisepass und lässt sich auch noch die Gelbfieberimpfung zeigen. Fehlt etwas, muss man zahlen. Haben sie sich die Mühe gemacht, die Angaben noch auf irgendein Stück Papier zu kritzeln, wird eine Aufwandsentschädigung fällig. Selbstfahrer werden zusätzlich gern einmal damit gequält, das gesamte Auto und Gepäck auspacken zu müssen.

Das wesentliche Problem ist aber, dass Tourismus im Land einfach keinerlei Rolle spielt, dass man den Eindruck bekommt, dass bereits das „Konzept Tourismus“ nicht verstanden wird. Man bekommt fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn man sich ein Hotelzimmer nehmen, Essen bestellen oder einen Nationalparkbesuch arrangieren möchte, so stark ist das Gefühl, dass man sein Gegenüber gerade fürchterlich beim Langweilen stört und die Arbeit, die man ihm oder ihr macht, in diesem Augenblick die Arbeit ist, auf die er oder sie am wenigsten Lust hat. Wahrscheinlich sind es die klimatischen Verhältnisse unter der Äquatorsonne mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 26° Celsius bei konstant hoher Luftfeuchtigkeit, die eine völlig andere Einstellung zur Arbeit erfordern. Denn ähnliche Beobachtungen notierte schon Dr. Albert Schweitzer, der berühmte Arzt und Nobelpreisträger, der vor mehr als 100 Jahren in Lambaréné sein Urwaldkrankenhaus eröffnete.

Hinzu kommt, dass auf dem Papier zwar insgesamt 13 Nationalparks sowie weitere Schutzgebiete existieren, einige davon aber geschlossen, andere wortwörtlich unerreichbar und der gesamte Rest unverschämt teuer sind. Unterkünfte und sonstige touristische Einrichtungen sind so rar wie die Mitarbeiter – seien es die der Parkverwaltung oder die der einzelnen Unterkünfte. Deshalb bleiben die unvergleichlichen Schätze des Landes unerschlossen, und die Kulturen verschwinden, da es keinen Grund gibt, nicht die westlich geprägte anzunehmen. Den Tourismus dazu zu nutzen, all dies zu erhalten, ist in Gabun aktuell eine naive Illusion. Weshalb sollten westliche Afrikareisende derart viel Geld in die Hand und derart viel Unannehmlichkeiten auf sich nehmen, wenn man in Ostafrika für zwei Drittel des Geldes ziemlich komfortablen Safari-Urlaub mit garantierten Wildtiererlebnissen haben kann? In vier Wochen Gabun habe ich auf diese Frage leider keine Antwort gefunden.

Bahnhofs-Blues – Train station blues

During our travels in eastern Africa in the past years, we have come close to the DR Congo quite a few times – as well as the rainforest of the Congo basin, the second largest rainforest just after the one at the Amazon basin. Last year, we´ve finally visited it´s easternmost extension in form of the Ituri forest protected as Semliki National Park in Uganda´s far west and got a glimpse of that majestic forest. But we urged to get in deeper than this.

The rainforest of the Congo basin covers most of the DR Congo, the Republic of Congo, Gabon, Central African Republic, Equatorial Guinea as well as the southern parts of Cameroon. If you bother to do some research concerning the political or the human rights situation in all those countries, you find out that there is only Gabon one can travel without taking the risk of catching a bullet or Ebola.

So, we started our planning of a trip through Gabon, one of the most expensive countries with one of the most expensive capitals in the world. But two years ago, we had met a guy from South Africa in Zambia telling us about his fishing-trip to Gabon and that it had been easy to pitch a tent anywhere you like. Unfortunately, this must be one of the things that have changed, and in the end it has been quite a brave decision to travel a country of which there exists only one serious guide book – four years old and never reissued, maybe because it sets an almost naïve tone when it comes to the future development of the Gabonese tourism sector – besides the unavoidable French Expat-guide. Despite all natural and cultural wealth, there is a reason why tourists are a rare species in Gabon – compared to Eastern Africa – and why they sometimes are just happy to make it out again.

Some years ago, president Ali Bongo, who inherited the presidency from his father, declared four columns to be vital for a prosperous future of the Western African country. The first two are industry and education followed by conservation. More than 80% of Gabon´s land area is still covered in dense rainforest. The fourth column is tourism, but referring to our experiences this year, the person in charge of developing the tourism sector hates all people who can afford travelling while he must organize their holiday – somehow. At least, he has done a poor job.

Gabon is the size of former Western Germany, lies on the equator and has two Million inhabitants, most of them living in the capital Libreville, the economical capital Port Gentil or one of the few towns in the back country. Gabon is as rich in natural resources as it is in ecological resources. There is oil and gas offshore and manganese, gold and tropical timber in the heart of the forest. According to the Françafrique doctrine, it is often the French dominating the big business. But the Chinese and the Indians are also heavily involved in making big deals with the sparse but ridiculously rich ruling class of Gabon. The cities are crowded with expats who seem to be living in a post-colonial dreamworld without even noticing the local people they are living among. While the shops are stuffed with French products, because they don´t produce anything in Gabon.

The infrastructure is a disaster area and means of transport are so scarce that places in taxis are auctioned. Furthermore, the Transgabonais, the railway traversing Gabon from Libreville in the northwest to Franceville in the southeast, is only in service at night if not delayed, cancelled or in the middle of one of its regular „crises“. On top of that, you get the most corrupt security forces you can think of – Gendarmerie and police with checkpoints on each and every road, before and after every town, where the ancient tradition says that the guys with guns and uniforms need to be bribed. It all had started with the idea of controlling illegal entries of migrants from Western Africa in order to not import the Islamist problem. Originally, there is no Islam in Gabon. But Gendarmerie and police turned the checkpoints into toll stations, having a lustful eye especially on white people, curiously checking the visa in the passport and regularly demanding the yellow fever vaccination certification. If something is missing, you have to pay. If they bothered to scrawl the data on some piece of paper they have probably found somewhere, they demand an expense allowance. And self-drivers are tortured with having to unpack everything on a regular basis.

But the main problem is that tourism does not matter, and you slightly get the feeling that the people are not even capable of understanding the idea of tourism. One could get a guilty conscience just because of booking a hotel room, ordering dinner or arranging a trip to one of the National Parks. That is how clear one can feel the resentment of the respective other against doing this particular thing you just asked for, expressing the deepest disdain for that kind of labour you are trying to impose on him or her in an obviously obscene manner. It is probably the climate with the ruthless equatorial sun, an average annual temperature of 26° Celsius and a consistently high humidity that requires a completely different attitude to labour. Even the famous doctor and Nobel Prize winner Albert Schweitzer, who established his hospital at Lambaréné more than a hundred years ago, noted similar observations in his diary.

Another issue is the fact that the 13 National Parks as well as several other reserves merely exist on paper, while some of them are generally closed to the public, others are literally out of reach, and the rest are impertinently expensive to visit. Accommodation and other tourist facilities are as rare as staff members – either from the park management authorities or the hotels. That is the reason why Gabon´s unparalleled abundance of natural treasures will remain unexploited and the tourism sector underdeveloped. The cultural richness is fading because there is no reason not to take on the western one. Using tourism as a tool to conserve all of this is only a naïve illusion for Gabon at this point. Why would western tourists spend that much money, bearing all those inconveniences, if they could enjoy a pretty comfy Safari-trip in Eastern Africa for two thirds of the price – including guaranteed game observations? Unfortunately, over the course of a four-week trip though Gabon, I couldn’t think of a genuine reason.

Lac Bleu

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3 Kommentare zu “Gabun / Gabon – Un voyage ardu

  1. afrikafrau sagt:

    wie schön wäre es doch deine interessanten Reiseberichte, deine offenen Beschreibungen ( nicht nur deine Photos (heft habe ich vorliegen) in einem Buch lesen und schauen zu können, wenn di mal nicht unterwegs bist, wäre die erstem die es lesen würde, da mir dein Schreibstil gut gefällt und deine gesunde Einstellung, das wäre foch was, vielleicht später, ist schon zeitaufwendig…….

  2. afrikafrau sagt:

    das finde ich ja super, weiter, ja nicht aufgeben, freu mich schon darauf, wann auch immer es gedruckt wird…… glückwunsch……versuche auch gerade meine kleineren Erlebnisse und Beobachtungen in Afrika und sonst wo, zu sortieren…. weil sonst einiges weg ist……..

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