Die Schimpansen vom Kalinzu-Wald – The chimpanzees of Kalinzu forest

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Vom Nkuruba-See zurück in Fort Portal nahmen wir den nächsten Minibus Richtung Süden. Unterwegs ging es zuerst nach Kasese, von wo wir vor fünf Jahren hinauf nach Kilembe in die Ruwenzori-Berge gefahren waren. Damals waren wir von Süden, vom Bwindi Impenetrable Nationalpark in der Region der Virunga-Vulkane gekommen, dieses Mal nahmen wir den entgegengesetzten Weg. Von Kasese aus ging es über den Äquator und durch den Queen Elizabeth Nationalpark, und wie vor fünf Jahren war schon die Passage des berühmten Parks eine Pirschfahrt für sich – inklusive Elefanten, Büffeln und Gazellen rechts und links der Straße.


Im Osten schließt das Kalinzu Forest Reserve an den Nationalpark an, wo mit dem Kalinzu-Wald die Erweiterung des Maramagambo-Waldes des Queen Elizabeth Nationalparks geschützt wird. Wie dieser beheimatet auch der Kalinzu-Wald eine große Artenvielfalt, angefangen bei mehr als 400 Baumarten bis hin zu 378 Vogel-, 262 Schmetterlingsarten und verschiedenen Primatenspezies. Darunter sind auch knapp 400 Schimpansen, von denen zwei große Gruppen an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt wurden: eine für Touristen und eine andere, die Forschern vorbehalten ist.

Das Büro des Kalinzu Chimp Tracking and Eco-Tourism Project liegt direkt an der Straße von Kasese nach Ishaka, weshalb man sich von jedem Transportmittel direkt vor Ort absetzen lassen kann. Leider gibt es dort keine Unterkunft, bloß die Möglichkeit, das eigene Zelt direkt am Waldrand zwischen der Straße und den Funktionsgebäuden auf der einen und dem Wald sowie der Müllkippe der Bewohner auf der anderen Seite aufzustellen, was wir freudig erregt taten. Allerdings nicht, ohne stets eine Handvoll Steine bereitliegen zu haben, um damit die Horden mächtiger Anubispaviane abwehren zu können, die einfach alles klauen, was sie in ihre pelzigen Hände bekommen können. Beobachtet wurden wir dabei von Schwarz-weißen Colobusaffen und einem Pärchen Zimtbrust Bienenfressern, das sich entspannt in einem riesigen Baum das Gefieder putzte. Am Abend entzündeten wir dann feuchtes Holz und kochten im Alubecher unserer Militärtrinkflasche chinesische Nudelgerichte, während die Geräusche des Waldes uns allmählich umfingen und Glühwürmchen durch das Dunkel irrlichterten. Besuch schaute auch noch vorbei, Dona, ein einheimischer Tourguide, der gerade mit Klienten im benachbarten Queen Elizabeth NP unterwegs war und den wir aus Kampala kannten. Also alles in allem ein wundervoller Abend: Africa at its best!

Am nächsten Morgen warteten wir mit den Guides, bis Auto um Auto die anderen Teilnehmer des Trackings abgesetzt hatte. Dann ging es hinein in den beeindruckenden Urwald, in dem nach wenigen Metern bereits die ersten fernen Rufe unserer nächsten Verwandten zu hören waren. Die kleineren Affenarten, aber selbst die imposanten Anubispaviane halten sich vor allem an der Peripherie des Waldgebiets auf, erklärte der Guide, da sie allesamt auf dem Speiseplan der Schimpansen stehen. Vor den intelligenten, in Gruppen jagenden Menschenaffen müssen sich alle anderen fürchten. Das kam mir irgendwie bekannt vor.

Der Guide brachte uns zu den Trackern, die schon früh am Morgen in den Wald aufbrechen und die Tiere suchen. Denn Schimpansen kommen in der Regel erst abends und für die Nacht zusammen, tagsüber teilen sie sich auf, um nach Futter, wie Früchten, zu suchen. Dabei durchstreifen sie große Gebiete und bleiben mithilfe markerschütternden Geschreis untereinander in Kontakt. Sie aber im zum Teil 20 oder 30 Meter hohen Blätterdach zu finden, ist gar nicht so einfach. Wir stießen auf das Alphamännchen der Gruppe und ein weiteres, rangniederes Männchen, die gerade frisches Obst frühstückten. Ihre erstaunlich massigen Körper wirkten wie eine verkleinerte Version eines Bodybuilders: jede Faser war definiert, in Bewegung rollten ihre Muskelpakete wie Bowlingkugeln unter der Haut hin und her, weshalb sie den Eindruck von kleinen Türstehern vermittelten, mit denen man sich besser nicht anlegt.

Im Geäst bewegten sie sich keineswegs grazil, eher verschlafen, taumelnd, lässig. Besonders das Alphamännchen, das irgendwo in einer Astgabel hockte und sich die Äste mit den Früchten nicht gerade behutsam und oftmals knackend in Reichweite zog und, wenn alles verputzt war, sie mit lautstarkem Rauschen wieder zurückschnellen ließ. Während ich überglücklich Nackenstarre bekam und meine Muskulatur irgendwann aufgrund der Kamera mit dem großen Tele, die ich quasi dauerhaft über dem Kopf hielt, anfing zu brennen, schleppte sich der Schimpanse direkt über mir auf einem Ast von einem Baum zum anderen. Dabei schüttelte er den Tau von den Blättern, der auf mich niederregnete. Erst, als sie genug von den Früchten und uns hatten und in der Ferne die Schreie anderer Gruppenangehöriger lockten, wurden sie plötzlich zu den kraftvollen, agilen und sich präzise bewegenden Wildtieren, die man gemeinhin erwartet. Innerhalb weniger Augenblicke kamen sie direkt neben mir die Stämme herunter, was sie vor allem tun, wenn sie schnell längere Strecken bewältigen wollen. Mit einem kurzen Rascheln tauchten sie ein ins Unterholz, und schon waren sie verschwunden.




When we returned from Lake Nkuruba to Fort Portal, we took the next minibus heading down south. On our way, we first passed Kasese from where we had turned to Kilembe in the Rwenzori mountains five years ago. Back then, we had come from the south, from Bwindi Impenetrable National Park in the region of the Virunga volcanoes but this time, we took the opposite direction. Coming from Kasese, we first crossed the equator and then Queen Elizabeth National Park, and just like five years ago, crossing the park was a game drive in itself – including elephants, buffaloes and gazelle on both sides of the road.

In the east, Kalinzu Forest Reserve is linked to the park. Protected Kalinzu forest is an extension of Maramagambo forest inside Queen Elizabeth National Park, and both are home to a vast variety of animals and plants, among them more than 400 tree species, 378 bird species, 262 butterfly species as well as several different primate species. There are also around 400 chimpanzees living in the forest with two huge groups being habituated to the presence of visitors, one for tourists and the other reserved for scientists.

The bureau of the Kalinzu Chimp Tracking and Eco-Tourism Project is located right at the road from Kasese to Ishaka, so you can jump off every transport passing by. Unfortunately, there is no accommodation, and the only option is to pitch your own tent between the road and the buildings on one and the forest and the people´s dump site on the other side, what we happily did. But certainly not without a handful of stones readily piled up to ward off the gangs of massive olive baboons trying to steal everything they could get their furry hands on. While doing this, we got carefully observed by Black-and-white Colobus monkeys and a couple of Cinnamon-chested Bee-eaters cleaning their plumage on a huge tree. In the evening, we lit a fire using moist wood and cooked some Chinese noodle dishes in the aluminium cup of our army bottle, while the darkness and the sounds of the forest slowly engulfed us, and fireflies began floating through the air. We could even welcome a visitor, Dona, a local guide we had met in Kampala and who had just been around Queen Elizabeth National Park with two clients. All in all, it was a wonderful evening: Africa at its best!

The next morning, we waited with the guides for the parade of vehicles to deliver the other members of the tracking group. Then, we headed off into the impressive jungle, where we immediately could hear the distant calls of our closest relatives. The smaller monkeys and even the imposing olive baboons tend to stay close to the road on the outskirts of the forest, the guide explained, because they are all part of the chimp’s menu. All of them must fear the intelligent apes hunting organized in groups. That was something, that seemed familiar to me.

The guide led us to the trackers who had been in the jungle since the early morning hours looking for the animals. Generally, chimpanzees only gather together in the evening and during the night while splitting up in the daytime in order to search for food like fruits. They spend their days roaming large areas, staying in contact with each other by using bloodcurdling cries you can hear for miles, but to actually find them, 20 or 30 meters up in the trees in a dense forest canopy, can be quite challenging. We happened upon the alpha male of the group as well as another, subordinate male enjoying a breakfast of fresh fruits. Their amazingly bulky bodies resembled smaller versions of bodybuilders: every fibre of their bodies was perfectly shaped and when moving, the muscles rolled around underneath the skin like bowling balls what made them look like small bouncers you rather not mess with.

There was nothing slender about them moving around on the branches, but rather dozy, tumbling, laid-back. Especially the alpha male sitting on a branch fork and pulling the branches with the fruits in his direction in a not too cautious way, making the wood crack, and after having eaten all the fruits, he just let go of the branches to whip back noisily. While I was overjoyed getting a stiff neck and aching muscles because of taking pictures all the time with the camera and the heavy tele lens lifted high above my head, the chimp up there dragged himself from one tree to another on a branch just above my head. By doing this, he shook off dewdrops raining down on me. When they had enough of the fruits and our presence and heard the distant calls of other members of their group, they suddenly became those powerful, agile and precisely moving wild beasts we had already expected in the first place. In a matter of seconds, they rushed down the stems just beside me, what they usually do in order to cover some distance in a brief time. With some rustling of the leaves, they jumped into the undergrowth, and then – they were gone.

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2 Kommentare zu “Die Schimpansen vom Kalinzu-Wald – The chimpanzees of Kalinzu forest

  1. afrikafrau sagt:

    wieder ein intressanter Bericht, gerne gelesen, wieder mitgereist,,,,,,,

  2. […] Kalinzu Forest, we caught a minibus to the east, to Mbarara where we had to change transport and took a big bus […]

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