Semliki National Park – Wo Ruwenzori und Kongo-Regenwald aufeinandertreffen – Where Rwenzori mountains and Congo rainforest clash

d/e 26 pictures

Versteckt in einem entlegenen Winkel Ugandas liegt im Tal des Semliki der Semliki Nationalpark, in dem 220 km2 des Bwamba-Waldes geschützt werden. Von Fort Portal aus führt eine erst in den letzten Jahren asphaltierte, spektakuläre Straße am nördlichen Ende der Ruwenzori-Berge entlang hinab ins Semliki-Tal auf der Westseite der Ruwenzoris. Der Bwamba-Wald ist der östlichste Ausläufer des kongolesischen Ituri-Waldes und Teil des Kongobecken-Regenwalds. Es ist der einzige Tiefland-Regenwald Ugandas und der Ort, wo das Kongobecken auf Ostafrika trifft.

The „female“ hot springs – Die „weiblichen“ heißen Quellen


Unverständlicherweise wird der Semliki NP nur äußerst selten von Touristen besucht, obwohl dort Ruwenzoris und Regenwald direkt aufeinandertreffen. Am Fuße des westlichsten Steilhangs verläuft die Straße von Fort Portal nach Bundibugyo, und direkt daneben beginnt der Regenwald. Der ist Heimat von 63 Säugetierarten, mehr als 400 Vogelarten – darunter etwa 35, die es nirgendwo sonst in Ostafrika gibt – sowie über 300 verschiedenen Schmetterlingsarten. Unter den neun im Park vorkommenden Primatenarten ist auch eine Gruppe von Schimpansen. Aber in der Außendarstellung des Parks durch die Uganda Wildlife Authority (UWA) scheint es, als seien die größte und eigentlich einzige Attraktion des Parks die heißen Quellen bei Sempaya, wo sich auch das UWA-Parkbüro befindet. So besteht ein Besuch des Parks – und der Gegenwert für 35$ Eintrittsgebühr sowie 30$ für einen Guide, beides pro Person – zumeist lediglich aus einem kurzen Spaziergang zu den heißen Quellen, in deren Wasser man sich ein Ei kochen darf. Wenn man sich sehr viel Zeit lässt, kann man so vielleicht eine Stunde verbringen.


2012 hatten uns noch die damals unbefestigte Piste, der Mangel an Informationen über mögliche Aktivitäten im Park und die damit verbundenen, schwer abzuschätzenden Kosten von einem Besuch abgehalten. Fünf Jahre später war nun die Straße asphaltiert, und irgendwo hatten wir über verschiedene Wanderwege im Park gelesen. Also ließen wir uns von Andrew, der uns schon zum Semliki Viewpoint gebracht hatte, nach Sempaya fahren. Ein Minibus wäre zu riskant gewesen, da diese erst fahren, wenn sie voll sind – und das kann dauern. Wir wollten aber möglichst tief in den Park hinein, und dafür brauchten wir Zeit.


Tatsächlich war neben uns noch ein weiterer Tourist anwesend: ein älterer Weißer, der lange im Land gearbeitet hatte und nun noch ein paar Sehenswürdigkeiten genießen wollte. Gemeinsam mit einem Guide machte er einen kurzen Spaziergang zu den heißen Quellen. Wir dagegen hatten uns für den Red Monkey Trail entschieden, der uns bis zum Semliki-Fluss und damit auch zur Grenze zur DR Kongo führen sollte. Leider erfuhren wir, dass der Weg nicht bis zum Ende gegangen werden konnte, da in der Regenzeit eine Brücke weggerissen worden war. Nun gut, was solls!


Auch wir spazierten erst einmal auf einem breiten, angenehmen Weg vom Parkbüro durch ein Waldstück zu den „weiblichen“ heißen Quellen. Als das Gebiet 1993 als Nationalpark unter Schutz gestellt worden war, hatte man auch die dort heimischen Batwa-Pygmäen aus dem Park vertrieben. Sie leben jetzt nahe Sempaya und fristen dort ein jämmerliches Dasein. Alkoholismus und Cannabis sind nur die auffälligsten Symptome des massiven Identitäts- und Heimatverlusts, den die Menschen des Waldes zu erleiden haben. Sie waren es, die die beiden ihnen heiligen heißen Quellen in „männlich“ und „weiblich“ unterteilt haben. Einmal im Jahr ist es ihnen noch erlaubt, dort ihre traditionellen Rituale abzuhalten. Die Idee, ihr immenses Wissen über diesen Lebensraum von Anfang an für den Park zu nutzen, war selbstverständlich der korrupten ugandischen Vetternwirtschaft und der rassistischen Verachtung der Batwa durch den Rest der Bevölkerung zum Opfer gefallen.


Hinter den „männlichen“ heißen Quellen begann für uns dann das schwül-heiße Abenteuer. Da nur eine Handvoll Ranger für das gesamte undurchdringliche Gebiet zuständig sind und die wenigen Touristen immer bloß die heißen Quellen besuchen, kann es vorkommen, dass Wege über Monate brachliegen. Was das in einem Regenwald bedeutet, glaubt man in der Regel sich vorstellen zu können, aber man weiß es erst, wenn man selbst dringestanden hat. Durch die so genannte „Savanne“, ein sumpfiges Schilfgebiet, mussten wir überhaupt erst wieder einen Weg ziehen, indem wir uns mit hoch erhobenen und zum „Schneepflug“ angewinkelten Armen durch das mannshohe, messerscharfe Schilfgras kämpften. Irgendwo grunzten Büffel, wir fanden auch ihre Spuren, aber die hätten zwei Meter neben uns stehen können, und wir hätten sie nicht bemerkt. Etwas Ähnliches hatten wir fünf Jahre zuvor schon im Bwindi Impenetrable Nationalpark auf einem Wanderweg erlebt, da die Besucher dort nicht zum Wandern hinkommen, nicht wegen der atemberaubenden Schönheit der Wälder und der Landschaft, sondern ausschließlich wegen des Gorilla-Trackings.

Im Wald ging es schließlich etwas besser voran, aber wir waren froh, bei der UWA ein Paar zu große sowie ein Paar zu kleine Gummistiefel in Zebraoptik ausgeliehen zu haben, und manchmal drohte auch da das Wasser reinzuschwappen. Als wir an einem umgestürzten Baum ein paar Bananen essen wollten, wurden wir von riesigen Safari-Ameisen vertrieben. Von überall her kamen die Rufe der Vögel, die moderne Klingeltöne imitierten. Alles war nass und triefte, und ein erdiger, fruchtbarer und oft genug auch fauliger Geruch lag in der Luft. Das war mal ein echter Urwald, wie man ihn sich vorstellt. Aber noch viel mehr, und der Zustand des Red Monkey Trail ließ umgehend ein authentisches Bear-Grylls-Gefühl aufkommen, das vom Anblick der völlig zerstörten Brücke mitten im Regenwald nur noch verstärkt wurde. Den auflockernden Kontrast zum überwältigenden Wald bildeten die überwiegend weiblichen Ranger – darunter auch unser Guide, mit denen wir nach unserer Rückkehr noch ein ausgiebiges Polaroid-Shooting veranstalteten. Es wird viel gelacht im Semliki-Tal, und am Ende sorgten sie sogar dafür, dass wir innerhalb kürzester Zeit Logenplätze (neben dem Fahrer) im nächsten Minibus zurück nach Fort Portal bekamen.


Hidden in a remote corner of Uganda, Semliki National Park down in the valley of Semliki river protects 220 km2 of the Bwamba forest. There is now a paved road with spectacular views from Fort Portal along the northern end of the Rwenzori mountains down to Semliki valley on the western side of the Rwenzoris. The Bwamba forest is the easternmost extension of the Congolese Ituri forest and part of the Congo basin rainforest. It is the only lowland rainforest in Uganda and the place where the Congo basin meets eastern Africa.

For some inexplicable reasons, only few tourists make their way to Semliki NP, even though the Rwenzoris and the rainforest create a breath-taking contrast. At the foot of the westernmost slope is the road from Fort Portal to Bundibugyo, and on the other side, just next to it, is where the rainforest begins. It is home to 63 mammal species, more than 400 bird species – among them at least 35 you can find nowhere else in eastern Africa – as well as more than 300 butterfly species. And there is a group of chimpanzees among nine primate species in total in the forest. But when it comes to promoting the park, the Uganda Wildlife Authority (UWA) is acting as if the one and only attraction would be the Hot Springs near Sempaya, where there is also the UWA bureau. As a result, a visit to the park – and the value received for 35$ entrance fee as well as 30$ guide fee, everything per person – often consists of a short walk to the hot springs, where you are allowed to boil yourself an egg. If you take your own sweet time, that will keep you busy for maybe an hour.

The „male“ hot springs – Die „männlichen“ heißen Quellen

In 2012, the unpaved road, a lack of information in terms of activities inside the park as well as unpredictable costs had prevented us from going there. Five years later, the road was paved, and we´ve read about some trails available in the park somewhere. So, Andrew, who had already taken us to the Semliki Viewpoint, also gave us a ride to Sempaya. To take the minibus would have been too risky, because they only leave when full – and that can take some time. We had planned to enter the park as deep as possible, that is why we needed as much time as we could manage to get.


Actually, there was another tourist besides us at Sempaya. It was an older white man who had worked in Uganda and was now doing some sightseeing as a goodbye to the country. Together with his guide, he took a short walk to the hot springs. We had decided to try the Red Monkey Trail leading us to the Semliki river which marks the border to the DR Congo. Unfortunately, they told us that it wouldn´t be possible to complete the trail because of a bridge that had been washed away during the rainy season. Ok, who cares!


We also started with a short walk on a wide and pleasant path from the bureau through a patch of forest to the “female” hot springs. When the park was gazetted in 1993, they didn´t miss to kick the Batwa pygmies out of their native environment. They now lead a miserable life near Sempaya. Alcoholism and Cannabis are only the most recognizable symptoms telling of the grief of those people of the forest because of having lost their homes and identities. It is their belief that there are “female” and “male” hot springs, both sacred. Once a year, they are allowed to come back for performing holy rituals. The idea of using their immense knowledge right from the beginning by training them as guides was killed by corrupt Ugandan nepotism and due to the fact, that the people of the forest are deeply resented by the rest of the Ugandan society.

Once a bridge… – Einst eine Brücke…

Just after the “male” hot springs, the moist and hot adventure began. Because of only few rangers taking care of the whole impenetrable area and the few tourists only visiting the hot springs, it is likely that trails remain untouched for months. Everyone can imagine what that means in a rainforest, but you don´t have a clue without having been in the middle of it yourself. Through the so-called “savanna”, a swampy reed bed, we had to open a new way by ploughing through the head-high and razor-sharp reed with raised and bent arms in front. We heard buffaloes grunting somewhere, and we even found fresh tracks, but they could have been two meters to our right without us noting. We had experienced something similar five years ago, when we had visited Bwindi Impenetrable National Park, where we hiked on a trail in similar condition, because people don´t go there for hiking or because of the awesome forest and the breath-taking landscape, it is only for a gorilla trekking.

Empress of the jungle – Herrscherin des Dschungels

The funniest of all – Die lustigste von allen

In the forest, we made better progress, but we were glad that we had borrowed two pair of rubber boots with zebra look from the UWA – one too big and one too small. But even the rubber boots sometimes seemed too low for the water level. When we took a rest at a fallen tree to have a banana snack, safari ants scared us off. There was bird song from all around trying to imitate modern ring tones. Everything was wet, drenched, and there was an earthy, fertile and often enough rotten scent hanging in the air. This was a real jungle, just how you imagine it to be, but more, and the state the Red Monkey Trail was in offered a true Bear-Grylls-feeling right from the start – enhanced by the sight of the completely destroyed bridge in the middle of the rainforest. The rangers, most of them women, made a relaxing contrast to the majestic forest – among them our guide, and we had a great Polaroid shooting with all of them after we returned. There is a lot of laughter at Semliki valley, and in the end, they even organized top-notch seats (just beside the driver) in the next minibus back to Fort Portal.

 

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12 Kommentare zu “Semliki National Park – Wo Ruwenzori und Kongo-Regenwald aufeinandertreffen – Where Rwenzori mountains and Congo rainforest clash

  1. Great place; fine series!

  2. wow – da würde ich auch gerne mal hin!!!

  3. Ich bin richtig eingetaucht in den Urwald bei deinem Bericht. Sehr interessant beschrieben und sehr schön bebildert. Jetzt, da ich nicht mehr so viel reise, begeistern mich solche Reiseberichte um so mehr.

  4. afrikafrau sagt:

    wieder ein eindrucksvoller Reisebericht, in Gedanken war ich auch dabei…….

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