MUTOMBOKO II – War dance of the Luba-Lunda Empire – Der Kriegstanz des Luba-Lunda-Reiches

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MUTOMBOKO II

MUTOMBOKO II

Nur wenige Minuten nach Sonnenuntergang herrscht eine nervöse Stille in der Arena. Die Menge – mindestens 1000 Menschen – harrt beinahe geräuschlos der Dinge, die noch folgen würden. Alle sind sie erschöpft, ermüdet von zwei Tagen Feiern. Genau wie die Polizisten und Soldaten, von denen viele den langen Weg von Lusaka in den Nordosten Sambias nach Mwansabombwe auf LKWs auf sich nehmen mussten, um während der Zeremonie für Sicherheit zu sorgen. Im Gegensatz zu den Polizisten und Soldaten sind viele der feiernden Zivilisten betrunken. Besonders junge Männer versuchen, mindestens die 36 Stunden der Mutomboko ohne Pause durchzutrinken.

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Wir waren bereits seit Stunden in der Arena, während der wir zuerst eine Demonstration der Karate-Kids vom benachbarten Kazembe Waisenhaus, das von den Amerikanern Thomas und Amy Morrow betrieben wird, hatten miterleben dürfen; gefolgt vom Scheitern des stärksten Mannes von Mwansabombwe, weil die mit Wasser gefüllten, gelben Plastikkanister, die er schleppen sollte, an lächerlich dünnen Kordeln befestigt waren; wir waren Zeugen unvergesslicher Tanzdarbietungen in der Gluthitze der erbarmungslosen afrikanischen Sonne geworden und in den Genuss einer Wahlkampfrede durch Vize-Präsidentin Inonge Mutukwa Wina gekommen, die dafür mit insgesamt vier Helikoptern in ein Dorf ohne fließendes Wasser und Kanalisation eingeflogen worden war. Obwohl der amtierende Chief Mwata Kazembe jede Form von Wahlkampf oder Politik in Bezug auf die wenig später stattfindende Präsidentschaftswahl während der Tage der Zeremonie untersagt hatte und immer wieder Menschen zum Ablegen eines Edgar Lungu (inzwischen der wiedergewählte Präsident Sambias) T-Shirts oder Chitenge (die farbenfrohen afrikanischen Stoffe) aufgefordert worden waren, hatte uns Inonge Mutukwa Wina ein gewaltiges Epos der Regierungs-Verdienste zukommen lassen. „Wir haben euch das Waisenhaus geschenkt“, war vermutlich ihre beste Pointe. Anschließend eilte die Vize-Präsidentin aus der Arena, kaum zwei Stunden, nachdem ihr Hubschrauber in einer gewaltigen Staubwolke gelandet war. Zumindest hatte sie der Rede des Chief Mwata zuhören müssen, die, direkt vor ihrer, von einem Sprecher gehalten worden war. Und Chief Mwata Kazembe war keineswegs von den Erfolgen der amtierenden Regierung, die Provinz nachhaltig zu entwickeln, überzeugt oder zufieden gewesen.
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Der Samstag ist der Haupttag der Mutomboko und beginnt im Palasthof. Irgendwann erscheint die “Groupe d´Animation Cent pour cent”, und wir wissen, dass das Warten dann ein Ende hat. Gemüse, Mais, Cassava werden vorübergetragen, als Mwata Kazembe endlich sein Haus verlässt. Es geht durch den Hinterausgang des königlichen Anwesens, wo der Chief auf alle Viere geht und zu kriechen beginnt. Tausende füllen den Platz zwischen großen, alten Myambo-Bäumen, die kurz vor Mittag den einzigen Schatten spenden. In dem Augenblick, in dem die Menschen den Chief oder sein sich wie eine Raupe vorwärts mäanderndes Gefolge, die ein menschliches Schutzschild bilden, sehen, fangen alle gleichzeitig an zu rennen, zu schreien, zu drängeln und zu schubsen. Eine gefühlte Million Handys werden in die Richtung des Chiefs gestreckt, überall ist Staub, Polizei mit Pistolen und Gewehren, und die Menge ist halb hysterisch, halb betrunken.
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Als ein Tribut an die Ahnen legt Mwata Kazembe den Weg zu einem heiligen Ort, einer Einfriedung aus geflochtenen Ästen rund um den Stamm eines Myambo-Baums, kriechend zurück. Er und die Repräsentanten von 18 weiteren Clans erhalten dort den Segen der Ahnen, symbolisiert durch Zeichen aus weißem Ton, den sie sich auf die Stirn und die Arme reiben. Und schon geht es weiter zum nächsten Myambo-Baum, der nächsten Einfriedung, wo die Knochen von acht Flusspferden warten. Früher gehörten auch die Gebeine anderer Tiere zum Heiligtum, aber das war in einer Zeit, in denen Tiere wie Löwen, Elefanten und Zebras im Luapula-Tal überhaupt noch existierten. Auf jeden Fall segnet Mwata dort die Tiere, bevor es ein paar Meter weiter zum Ngona-Fluss geht, wo er die mitgebrachten Nahrungsmittel hineinwerfen lässt als ein Opfer für zwei Brüder, die an diesem Ort ertränkt worden waren, weil sie ein Salzvorkommen verraten hatten. Es gibt einen zweiten solchen „Schrein“, an dem sich das Ritual wiederholt. Am Ende tragen ihn seine Anhänger auf ihren Schultern zurück zum Palast, was nicht weniger als pures Chaos bedeutet, mit Tausenden, die durch fremder Leute Gärten stapfen – jubelnd, schreiend, singend.
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Während die Massen durch die Landung zweier Hubschrauber (die anderen beiden blieben in der Luft), von denen einer die Vize-Präsidentin trug, auf einem Sportplatz außerhalb des Dorfes unterhalten wurden, bereitete sich Chief Mwata Kazembe auf das große Finale, den Mutomboko selbst, vor. Als er das königliche Anwesen erneut verlässt, schlachten sie am Tor eine Ziege. Schließlich wird er in seiner traditionellen Tracht mit der „sprechende Trommel“, die nur er spielen darf, von Trägern in der königlichen Hängematte, der Muselo, den ganzen Weg durch Mwansabombwe bis zur Arena etwa 2,5 Kilometer entfernt gebracht. Dort beobachtet er die letzten Tänze des Festes von seinem mächtigen Holzthron aus.
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Und irgendwann war dann diese merkwürdige Stille, in der deutlich Anspannung auszumachen war, in die Arena gekrochen. Nach Tänzen von Mitgliedern der königlichen Familie erscheint endlich Chief Mwata Kazembe XIX selbst im Mittelpunkt der Arena und der gebündelten Aufmerksamkeit. Im trübe glänzenden Licht kurz nach Sonnenuntergang tanzt er den Mutomboko in seinem Mukonso, dem dreifarbigen Lunda-Rock, mit Schwert (Ipoko) und Axt (Imbafi) und Ingala ya kalongwe, der traditionellen Kopfbedeckung. Es ist ein tänzerisches Schauspiel oder ein schauspielender Tanz mit Feinden, die besiegt, und fremden Land, das erobert wird. Am Ende rammt er das Schwert in den Boden und schleudert Dreck in alle vier Himmelsrichtungen, bevor er Ipoko gen Himmel richtet. Er kann alles erobern, was er möchte, außer Gott. Dann schließt sich die Menge um ihn, und er ist weg, davongespült von seinen Anhängern. Auf Schultern zurückgetragen zum Palast, wo Paul Mpemba Kaniembo für seine Anhänger kämpft und arbeitet und darauf wartet, dass die Regierung im weit entfernten Lusaka endlich ihre Versprechen einhält. Doch immerhin hat die Vize-Präsidentim ihm einen Traktor geschenkt!
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A few minutes after sunset, the arena has fallen silent. There is hardly any noise by the crowd – at least 1000 people. They are all exhausted, tired from two days of celebration and so are the policemen and soldiers, many of them being sent on trucks from Lusaka all the way up to Mwansabombwe to secure the ceremony. And drunk of course. Especially young men seem to cultivate the ambition of drinking beer for the at least 36 hours of Mutomboko.
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We had been in the arena for hours, watching a performance of the Karate Kids of neighboring Kazembe Orphanage run by Thomas and Amy Morrow from the U.S.; witnessing the failure of Mwansabombwe´s strongest man because the handles made of rope, attached to yellow plastic cans full of water were too thin; watching amazing dances in the mindblowing heat of the relentless African sun and listening to a campaign speech by Vice President Inonge Mutukwa Wina, who had been flown in into a community without running water or sanitation, escorted by four helicopters. Although reigning Chief Mwata Kazembe had prohibited any campaigning referring to the upcoming presidential election during the two days of the Mutumboko ceremony and several people had been asked to take off their Edgar Lungu (at this time the officially re-elected President of Zambia) shirts or chitenge (the colorful African cloths), Inonge Mutukwa Wina has donated to the people an epic of “Look-what-we´ve-done”. “We´ve given you the orphanage” must have been the funniest part of it. In the end four or five people clapped hands vaguely, astray. Then the Vice President rushed out of the arena after no more than two hours being there, but long enough to listen to Chief Mwata´s speech, held by a spokesman prior to the Vice President´s speech. And Chief Mwata Kazembe was not very pleased with the government´s efforts to develop the district properly.

Groupe d´Animation Cent pour cent

Groupe d´Animation Cent pour cent

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Saturday is the main day of Mutomboko and again, it starts off with waiting for Chief Mwata Kazembe in front of his palace. When the “Groupe d´Animation Cent pour cent” finally appears, we know that the waiting is coming to an end. Porters carry food when Mwata Kazembe leaves his house. Outside on the back of the royal compound he starts crawling, surrounded by his entourage as well as dozens of policemen. Thousands of people fill every space between huge Myambo trees giving the only shade in the heat just before noon. The moment people can actually see the Chief or at least his entourage moving slowly forward like a caterpillar, creating a human fence around Mwata Kazembe, everyone starts running, pushing, yelling. Myriads of cellphones are stretched in the Chief´s direction, dust everywhere, police with guns, and the crowd half drunk, half hysterical.
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Inonge Mutukwa Wina

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As a tribute to the ancestors, Chief Mwata Kazembe crawls to a sacred place, a circle of branches and wood forming an enclosure under one of the trees and around its stem. Mwata Kazembe and representatives of 18 clans gather around the stem, receiving blessings from the ancestors, symbolized by white clay they smear on their foreheads and arms. And on it goes to another Myambo tree and another enclosure, where there are the bones of eight hippos, but in the past there used to be bones of different other animals – probably during times when animals like lions, elephants or zebras still existed in Luapula province. There, Mwata gives blessings to the animals, before they all proceed down to the Ngona River, where he pours food in the water as a sacrifice to two brothers that had been drowned at this place for revealing a salt deposit. There is a second so called shrine like this, where Mwata goes next and again, donates food. In the end he gets carried back to the palace on the backs of his followers. That means no less than pure mayhem with thousands stomping through people´s gardens, cheering, screaming, chanting.
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While people are entertained by the landing of two helicopters (the other two stayed in the air), one of which carried the Vice President of Zambia, on a sports field just outside the village, Chief Mwata Kazembe prepairs for the final stage, Mutomboko itself. They slaughter a goat when he is leaving the compound again, then a group of bearers carries Mwata Kazembe, in his traditional outfit and with the talking drum only the Chief is allowed to play, in his royal hammock, the Muselo, all the way through Mwansabombwe to the arena some 2.5 kilometres away. There he starts to play the talking drum before watching the last dances from his throne.
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Finally, that eerie silence emerged and shortly after some dances by members of the royal family, he himself appears in the center of the arena, Chief Mwata Kazembe XIX. In the obscurely glowing light just after sunset he dances the Mutomboko in his Mukonso, the three-colored Lunda skirt, with sword (Ipoko) and axe (Imbafi) and Ingala ya kalongwe, the traditional head-dress. It is a danced play or a playful dance with enemies being defeated and foreign land being conquered. Then he runs his sword into the ground, throwing dirt in all cardinal directions before pointing Ipoko to the sky. He can conquer any land he wishes, except for God. The crowd closes in around him, and then he is gone, washed away by his followers. Carried back to the palace, from where Paul Mpemba Kaniembo is working and fighting for his people, waiting for the promises of the government in far away Lusaka to come true. At least the Vice President had given him a tractor as a gift!
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18 Kommentare zu “MUTOMBOKO II – War dance of the Luba-Lunda Empire – Der Kriegstanz des Luba-Lunda-Reiches

  1. Eine tolle Dokumentation. Da ich selbst schon in Afrika war, kann ich mir die Gerüche, den Lärm und die Vielfalt der Farben samt dem übersprudelnden Trubel solch eines Festes gut vorstellen.

  2. afrikafrau sagt:

    was für ein Schauspiel, sehr interessanter Bericht, eine Demonstration der Macht, ein Fest allemal.

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