My heart is in the highland

My heart is in the highland

My heart is in the highland

Das Rückgrat Madagaskars ist das zentrale Hochland, das die Insel im östlichen Bereich vom Massif du Tsaratanana im Norden – südlich von Ambilobe – bis hinunter in den Süden zum Andringitra Massiv westlich von Manakara durchzieht. Im Südosten schließt dort noch das Massiv d´Antaivondro an, dessen Gebirgszüge beinahe bis Taolagnaro (Fort Dauphin) an der Küste reichen. Nach Osten – auf der Wetterseite – fällt die Landschaft auf wenigen Kilometern steil zum Indischen Ozean hin ab, während es Richtung Westen im Verlaufe mehrerer Hundert Kilometer sanft gen Kanal von Mosambik geht.

Antananarivo - Die Stadt der vielen Hügel - The city of many hills

Antananarivo – Die Stadt der vielen Hügel – The city of many hills

Das Randgebirge hat auf westlicher Seite einen massiven Regenschatten, der dafür sorgt, dass es im zentralen Hochland selten (im Südsommer) und weiter Richtung Westküste so gut wie gar nicht regnet. Dafür regnet es an der Ostküste eigentlich immer, frei nach dem Motto: „Es gibt eine Regenzeit und eine Zeit, in der es regnet!“ Klimatisch bedeutet dies, dass es im Osten beinahe immer schwül-warm bis schwül-heiß ist, im Norden, Westen und Süden einfach nur heiß und im zentralen Hochland alles zusammen, von trocken und warm über feucht und warm bis hin zu gelegentlichen Minustemperaturen im Südwinter.

Fianarantsoa - Die Hauptstadt der Betsileo - Capital of Betsileo people

Fianarantsoa – Die Hauptstadt der Betsileo – Capital of Betsileo people

Die bedeutendsten Städte im Hochland von Nord nach Süd sind die Hauptstadt Antananarivo, Antsirabe, gefolgt von Ambositra, Fianarantsoa, Ambalavao – das Tor zum Andringitra Massiv – und schließlich Ihosy (sprich: jusch), von wo aus es entweder gen Westen am Isalo Gebirge vorüber allmählich immer flacher wird oder in den tiefen, semi-ariden (halbwüstenartigen) Süden geht. Um Tana herum und weiter bis vor Antsirabe reicht auch das Stammgebiet der Merina, der seit jeher herrschenden Volksgruppe auf Madagaskar. Diese Region und die südlich bis vor Ihosy anschließende, die die Betsileo ihre Heimat nennen, gehören zu den fruchtbarsten auf der Insel. Der Boden vulkanischen Ursprungs ist eigentlich reich an Nährstoffen, würde er nur nicht durch die Ziegelherstellung und die Zebu-Haltung derart ausgebeutet. Der gelegentliche Regen und das Wasser der Flüsse, das sich aus dem östlichen Randgebirge auf die Hochebenen und Plateaus mit den Reisterrassen ergießt und dabei fruchtbare Sedimente mit sich führt, gepaart mit einem gemäßigten Klima sind eigentlich ideal für die Landwirtschaft. Nördlich von Tana wird es dagegen immer trockener und gen Westen hin immer karger, baumlos, fast menschenleer und ausgedörrt.

Im trockenen Norden des zentralen Hochlands - In the dry north of central highlands

Im trockenen Norden des zentralen Hochlands – In the dry north of central highlands

Die Architektur ist im Hochland einfach, aber zum Teil kunstvoll auf die Spitze getrieben. Zumeist basieren die Häuser auf einem rechteckigen Grundriss in Nord-Süd-Ausrichtung. Im Hochland baut man zwei-, manchmal sogar drei- oder vierstöckig mit Ziegelsteinen und Stroh, an den Küsten einstöckig mit Holz, Bambus, Palmblättern – und neuerdings Wellblech. Der Eingang und ein Großteil der Fenster gehen nach Westen, da von Osten der Regen kommt – oder ein Zyklon – und der im Südwinter empfindlich kalte Wind von Nord nach Süd oder umgekehrt weht.

Südlich von Antsirabe - South of Antsirabe

Südlich von Antsirabe – South of Antsirabe

Typische Hochland-Architektur - Typical architecture of the highlands

Typische Hochland-Architektur – Typical architecture of the highlands

Nord-Süd-Ausrichtung, Fenster und Tür gen Westen - North-to-south alignment with windows and the door to the west

Nord-Süd-Ausrichtung, Fenster und Tür gen Westen – North-to-south alignment with windows and the door to the west

Viele Menschen im Hochland – besonders Nicht-Merina – leben nach wie vor von der Subsistenzwirtschaft, aber es entstehen auch immer mehr Kooperativen, die ihre Überschüsse gemeinsam verkaufen. Probleme sind dabei die nachlassende Fruchtbarkeit der zu stark beanspruchten Böden sowie die fehlende Effizienz aufgrund fehlender Technik, um sich besser am Markt behaupten zu können. Daraus entsteht dann eine weitere, bereits bestens erprobte Variante des Blitzkrieg-Kapitalismus, nämlich die, den guten einheimischen Reis zu exportieren und selbst nur minderwertigen importierten zu fressen, der selbstverständlich billiger ist. (Deshalb gibt es auf polnischen Märkten ja auch hauptsächlich kleine, krumpelige Kartoffeln zu kaufen, die großen, EU-konformen landen auf deutschen Tellern!)

Arbeiten auf den Reisterrassen - Working on the terraced rice paddies

Arbeiten auf den Reisterrassen – Working on the terraced rice paddies

Wasser für die Setzlinge - Water for the seedlings

Wasser für die Setzlinge – Water for the seedlings

Im Dunst - In the mist

Im Dunst – In the mist

Zebu-Pflug - Zebu plowing

Zebu-Pflug – Zebu plowing

Junge Madagassen versuchen vermehrt, diesem Schicksal zu entgehen und sich in den kleineren und größeren Städten eine Existenz zu erarbeiten. Zuerst schiebt man selbstgebaute Karren mit Waren bergauf von A nach B, später reicht es vielleicht, um einen Shop für Was-auch-immer zu eröffnen. Aber eigentlich herrscht angesichts des fatalen kolonialen Erbes, historisch tief verankerter ethnischer Ressentiments, politischer Instabilität, Korruption, Armut, einer desaströsen Infra- wie Bildungsstruktur sowie der aus diesen Gründen steigende Kriminalität bloß noch Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit.

Fluss-Wäsche - Riverside laundry

Fluss-Wäsche – Riverside laundry

Fleisch & Nachrichten - Meat the news

Fleisch & Nachrichten – Meat the news

Zebu outlet store

Zebu outlet store

The central highlands is Madagascar’s backbone, stretching along the eastern part of the island from the Massif du Tsaratanana – south of Ambilobe – all the way down south to the Andringitra Massif west of Manakara. In the southeast it’s linked to the Massiv d´Antaivondro, a mountain range almost reaching Taolagnaro (Fort Dauphin) at the coast. To the east – at the weather side – steep slopes plunge into the Indian Ocean within just a few kilometres, to the west there are hundreds of kilometres of only smooth sloping terrain to Mozambique Channel.

Arbeitsbeginn - Start of work

Arbeitsbeginn – Start of work

Die Holzkohle ist ausverkauft - Sold the last charcoal

Die Holzkohle ist ausverkauft – Sold the last charcoal

The escarpment to the east is creating a constant rain shadow, so central highlands have little rain (during southern/austral summer) and the western part is getting almost no rain at all. As a matter of some kind of funny law, at the east coast it’s raining all the time instead – true to the motto: “There is a rainy season and a season with rain!” Climatically that means that the east is constantly struggling with sticky weather and heat, north, west and south are only hot, whilst you get everything mixed together in central highlands –sometimes warm and sticky, often warm and dry with scarce sub-zero temperatures in southern/austral winter.

Die trockenen Hügel des Westens - Dry hills of the west

Die trockenen Hügel des Westens – Dry hills of the west

Fels & Reis - Rocks`n´Rice

Fels & Reis – Rocks`n´Rice (südlich von / south of Fianarantsoa)

The most important cities in central highlands from north to south are the capital of Antananarivo, Antsirabe, followed by Ambositra, Fianarantsoa, Ambalavao – the gate to Andringitra Massif – and finally Ihosy (pronounced yoosh), from where you can go either to the flatter west, passing Isalo Mountains, or to the lower, semi-arid south. The area around Tana and down to Antsirabe is the country of Merina people, the ruling class of Madagascar. That area and the one from Antsirabe to Ihosy, which is the home of Betsileo people, have got the most nutritious soil on the island. It’s of volcanic origin and really rich, if there wasn’t such intense exploitation because of brick-making and Zebu cattle. Occasional rain and the water of rivers coming from the eastern escarpment, flooding the terraced rice paddies on plateaus and in valleys, bringing precious sediments along with a moderate climate should be perfect for agriculture. By contrast, north of Tana it’s dryer, and if you go northwest it gets barren, treeless, almost deserted and bone-dry.

Alte Frau mit Spaten - Old lady with a spade

Alte Frau mit Spaten – Old lady with a spade

Central highlands architecture is simple, but sometimes artificially exaggerated. Most of the houses have a rectangular layout with a north-to-south alignment. In central highlands they tend to build two-, three- or even four-storey houses made of bricks and straw, and at the coast it’s single-storey buildings made off wood, bamboo, palm leaves – and nowadays more and more often corrugated sheet metal. The windows and the entry are on the western side of the houses for the rain as well as cyclones are coming from the east and the wind, which can be quite chilly in southern/austral winter, is blowing from north to south or the other way ´round.

Kleinstadt-Markt westlich von Betafo - Smalltown market west of Betafo

Kleinstadt-Markt westlich von Betafo – Smalltown market west of Betafo

Erster Schritt zu wenig Erfolg - First step to no success

Erster Schritt zu wenig Erfolg – First step to no success

Most of the highlanders – especially the non-Merina – still make a living with self-sufficient agriculture, but there is also a growing number of cooperatives selling their surplus together. Problems are a decreasing fatness of the land because of unbridled exploitation as well as a lack of efficiency because of an absence of modern engineering to assert themselves on the market. As a result this leads to another sparkling gem of post-modern Blitzkrieg-capitalism: export the good local rice and munch the poor quality imported one, which of course is very cheap. (That’s also the reason, why you primarily find small, wrinkled potatoes on Polish markets; the big and good ones end up on German plates!)

Highlands kids

Highlands kids

A growing number of young Madagascan people are trying to avoid this fate by moving to the cities for a real job. Often they start by hauling goods up and down the hills on self-built carts, in order to earn enough money for starting an own business selling whatever they can get their hands on. But in the end all there is, is a lack of prospects and desperation, because of a dire colonial heritage, historically rooted ethnical resentments, political instability, corruption, poverty, catastrophic infrastructure, a weak educational system as well as an increasing crime rate, which arises from the former circumstances.

Ländliche Idylle nahe Ankazobe - Rural idyll near Ankazobe

Ländliche Idylle nahe Ankazobe – Rural idyll near Ankazobe

Advertisements

4 Kommentare zu “My heart is in the highland

  1. BloggerIn50+ sagt:

    Vielen Dank, immer wieder ein für mich neuer, schöner, informativer und berührender Blick auf ein fremdes Land mit seinen Menschen, Kultur und Natur. Ich freue mich jedesmal über deine Veröffentlichungen.

  2. Maren Wulf sagt:

    Ein sehr informativer und wunderbar bebilderter Beitrag!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s