Im Zoo – At the Zoo

Im Zoo – At the Zoo

Im Zoo – At the Zoo

„Ein Besuch des Parc Botanique et Zoologique de Tsimbazaza ist zwar lohnenswert, man darf aber keine Sensationen erwarten“, sagt der Reiseführer. Aber was gibt es schöneres, als am letzten Reisetag, nur wenige Stunden, bevor ein Flugzeug in Richtung Kenia abheben wird, in dem man selbst mit traurig-sentimentalem Blick sitzt und aus dem Fenster starrt, den Zoo in der Hauptstadt Antananarivo zu besuchen. Noch einmal ein paar der Tiere sehen, denen man zuvor wochenlang in den letzten unberührten Lebensräumen der Insel nachgespürt hat, das klingt verlockend. Aber bloß keine Sensationen erwarten!

Tsimbazaza inmitten von / in the middle of Antananarivo

Tsimbazaza inmitten von / in the middle of Antananarivo

Die 15 Hektar große Anlage liegt mitten in der Stadt und ist bei den Einheimischen viel beliebter als bei den Touristen. Dementsprechend voll ist es auch in diesem Zoo, in dem vor allem Tiere, die aus privater Haltung oder aus Schmugglerhänden gerettet wurden, ihr Dasein fristen. Dieses Dasein kann nicht erfüllend sein für die Tiere, es ist aber allemal besser als jenes, aus dem sie gerettet wurden. Und eine Auswilderung ist zumeist nicht mehr möglich.
Bis zu seinem Tod 2007 hat der deutsche Tierpfleger Mario Perschke dort gewirkt und mit vielen Ideen und Innovationen versucht, einen annehmbaren Standard für die Tierhaltung zu etablieren. Das ist auch heute noch zu erkennen an den lebensraum-nah gestalteten Gehegen, den Rückzugsmöglichkeiten für scheue und/oder nachtaktive Tiere und der parkähnlichen Gesamtanlage. Darüber hinaus ist der Zoo inzwischen allerdings eine Art Disney World Madagaskars mit allerlei bizarren Dekorationsgegenständen, kleineren Jahrmarktsfahrgeschäften und bunten Verkaufsbuden, an denen man Lemuren-T-Shirts, Baobab-Einkaufstaschen und Fossa-Sonnenhüte kaufen kann.

Katta auf seiner winzigen, sicheren Insel - Katta on its tiny safe island

Katta auf seiner winzigen, sicheren Insel – Katta on its tiny safe island

Der Madegasse mag es bunt und schrill und kitschig. Der Europäer hingegen ist ein wenig verwirrt, vielleicht auch schockiert und sehr wahrscheinlich vor Entsetzen erstarrt, wenn er die madegassischen Großfamilien Eis essend und brüllend vor Gehegen mit äußerst schreckhaften Tieren wie Lemuren oder dem traurigen Fischadler-Pärchen in seiner engen Voliere herumtanzen sieht. Im Gegensatz zu diesen haben die Lemuren wenigstens einen Innenbereich in einem kreisrunden Gebäude, in das sie sich auch konsequent zurückziehen, sprich: Sie lassen sich draußen überhaupt nicht blicken. Abgesehen von den Kattas, den Ringelschwänzen, die das Glück haben, auf mehreren kleinen Inseln in einem See angesiedelt zu sein – in sicherer Entfernung von ihren angeblich höher entwickelten Verwandten. Wieviel die riesigen Landschildkröten vom Tumult um sie herum mitkriegen, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall sind sie zu langsam, um wegzulaufen und tragen daher einen etwas sauertöpfischen Gesichtsausdruck spazieren.

Zu langsam zum Fortlaufen - Too slow to run away

Zu langsam zum Fortlaufen – Too slow to run away

Es gibt aber auch ruhige Ecken und schöne Momente! An einem Ende der Anlage, hinter einem riesigen Kinderspielplatz, liegen die großen Gehege der nicht minder großen Sifakas. Die riesigen Käfige reichen weit zurück und bieten den Lemuren alle Möglichkeiten, sich dem Trubel zu entziehen, weshalb dort auch niemand ist. Absurd ist der Gedanke, man könne sich entspannt vor so ein Gehege setzen, die Klappe halten und still beobachten! Wir haben es trotzdem versucht, und die Sifakas haben uns nicht enttäuscht.

Letzte Zuflucht - Last refuge

Letzte Zuflucht – Last refuge

Irgendwann steuerte schließlich ein Trupp Tierpfleger auf uns zu, es hatte sich also rumgesprochen, dass weiße Vazaha (Fremde) „in da Zoo“ waren! Yo! Vielleicht aber können die auch unseren Schweiß riechen… Auf jeden Fall bedeuteten sie verschwörerisch, wir sollten ihnen folgen. Es ging im Marschschritt auf das kreisrunde Lemurenhaus zu, dessen Innenhof wir durch eine grüne Holztür betraten, die nur bedingt für den Schutz vor Eindringlingen oder der Abwehr von Ausbruchsversuchen geeignet schien.
Um uns herum lagen nun kreisrund angeordnet die Türen zu den Behausungen der verschiedenen Lemurenarten und große Scheiben, durch die beobachtet werden kann, ohne stören zu müssen. Man konnte die guten Ideen erahnen, doch leider sind die Gehege zu klein und nahezu impulslos. Zwar mühen sich die Pfleger nach Kräften, aber sie sind zu wenige, und der Zoo ist insgesamt heillos unterfinanziert.

Kein Fliegen mehr, nur noch Geschrei - No flying, only yelling

Kein Fliegen mehr, nur noch Geschrei – No flying, only yelling

Schließlich erhielten die Lemuren nacheinander ihr tägliches Leckerli – Honig, den die Schleckermäulchen auch in der Wildnis lieben. Sie leckten gierig ihre kleinen Fingerchen oder hielten damit unsere umklammert, während sie versuchten, an mehr Honig heranzukommen. Sie schienen alle in gutem Zustand und vermehrten sich auch regelmäßig – dank der liebevollen Zuwendung durch die Pfleger. Die forderten am Ende – oh Wunder – auch von uns noch eine Zuwendung, die wir in diesem Fall jedoch gerne entrichteten. Es war eine Spende an den Zoo, und mehr Input und Abwechslung würden die Lemuren an diesem Tag nicht mehr bekommen. Wir hatten uns verabschiedet. Ein schöner und wie immer sentimentaler letzter Tag!

Süßer sucht Süßes - Sweetie seeks sweets

Süßer sucht Süßes – Sweetie seeks sweets

„It is worthwhile visiting the Parc Botanique et Zoologique de Tsimbazaza, but one shouldn’t expect any sensations”, says the guidebook. I mean, is there a more alluring prospect than to pay a visit to Antananarivo´s zoo on the last day of a journey, only few hours before there is a plane on it’s way to Kenya with you in it, sentimentally staring out of the window. Just to see some of those animals again you have sought the last weeks, throughout the remainders of the island’s environmental treasures – such a nice idea. However, do not expect any sensations!

Wo ist der Honig? - Where´s the honey?

Wo ist der Honig? – Where´s the honey?

The zoo covers 15 hectares of land in the middle of town and it is far more popular with the locals than with foreign tourists. That is why it is so crowded in that zoo, where there are animals living, which had been rescued from private captivity or out of smuggler’s hands. It is a drab existence, right, but a better one than the one they have been rescued from. A reintroduction into the wild is not possible anymore in most of the cases.
Until his death in 2007, the German zookeeper Mario Perschke has brought some innovations and fresh ideas to the zoo in order to maintain an acceptable standard when it comes to the actual keeping of the animals. You can still see that today in species-appropriate compounds with the possibility of retreat – especially important for nocturnal animals – and the composition of the park. Meanwhile the rest of the zoo has become Madagascar’s Disney World including some bizarre decorative objects, some minor fairground rides and colourful stalls where you can buy Lemur-shirts, Baobab shopping bags and Fossa sunhats.

Mausmaki bitte nicht stören! - Don´t disturb the Mouse Lemur!

Mausmaki bitte nicht stören! – Don´t disturb the Mouse Lemur!

Madagascans like it fancy, they love loud colours as well as everything kitschy or even cheesy. Whereas the European tends to be a little puzzled, maybe even shocked, but most probably paralysed with sheer horror when seeing Madagascan families yelling and dancing in front of the cages and compounds – with rare and easy to scare animals like Lemurs or two Madagascan Fish eagles in their narrow aviary – while eating ice cream. In contrast to the Fish eagles, the Lemurs have a retreat in a round building, where they consequently keep hiding. They just won’t show up on the outside with all the noise and hotchpotch going on. Except for the ring-tailed Kattas, which are lucky enough to have their kingdom on small islands in a tiny lake – in relatively safe distance to their allegedly further evolved relatives. How much of the turmoil going on around them the huge tortoises realize, I can’t tell. Anyhow, they are too slow to run and therefore carry a very grumpy expression on their faces.

Kein Bock auf Fotografen... - I don´t care `bout photographers...

Kein Bock auf Fotografen… – I don´t care `bout photographers…

Nevertheless, there are quiet places and calm moments too! On one end of the zoo grounds, just behind a colossal playground, the huge compounds of the likewise huge Sifakas are situated. Their enormous caged compounds stretch all the way back into the green, so there are innumerable possibilities to retreat, and that is the reason, why there isn’t anyone around. It’s an absurd idea to just relax and sit in front of this compound, to shut the f… up and watch in silence. We tried it anyway, and the Sifakas didn’t let us down!

Schleckermäulchen - Sweet tooth

Schleckermäulchen – Sweet tooth

Eventually a group of zookeepers was heading towards us, the news had spread that there are white Vazahas (strangers) “in da zoo”! Yo! Maybe they can even smell our sweat… Conspiratorially they showed us that we should follow them. We went straight for the round Lemur building and entered its patio through a green wooden door that didn’t seem too appropriate to stop neither intruders nor breakaways.
Around us in a circle were the doors to the homes of the different Lemur species as well as big windows to watch the animals without disturbing them too much. One can sense the good ideas, but in the end, the compounds and cages are just too small and virtually lack every kind of stimulating impressions. The zookeepers do what they can, but they’re just too few and the zoo is totally underfinanced.

Mürrisch - Grumpy

Mürrisch – Grumpy

Finally, the Lemurs received their daily treat – honey, which they also love to eat in the wild. Greedily they sucked their tiny fingers or got a hold of ours while reaching out for more honey. They all seemed to be in good shape and they’re reproducing, which is a good sign. Thanks to the caring devotion of the zookeepers! It goes without saying that they too demanded some kind of devotion before we left – what a surprise. In our minds, it has been some kind of donation to the zoo and we were pretty sure that the Lemurs wouldn’t get more impressions or diversion that day. It has been a farewell. What nice and – of course – sentimental last day!

Bettler - Beggar

Bettler – Beggar

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10 Kommentare zu “Im Zoo – At the Zoo

  1. afrikafrau sagt:

    Deine Reiseberichte gefallen mir immer wieder….ensprechen dem, wie ich
    es selbst vor langer Zeit auch wahrgenommen hatte, großartig, daß du sie mit der Welt teilst.

  2. Schöne Fotos von der dortigen Tierwelt. Ich mag die Lemuren und Kattas, sie sind drollig.
    Das ist immerhin ein Zoo in dem die Tiere nicht völlig dahin vegetieren. In Ibadan/ Nigeria führte man uns stolz durch einen schrecklichen Zoo in dem die Tiere in kleinsten Käfigen ohne Beschäftigungsmöglichkeit waren. Uns standen ständig die Tränen in den Augen.

    • docugraphy sagt:

      Ja, Zoos sind in afrikanischen Kulturen noch immer relativ neue und irgendwie fremde Einrichtungen und die Diskussion über Tierrechte keine so öffentliche, lautstarke wie zum Teil bei uns.
      Ich versuche, mich im Voraus über die Zoos & Tierparks zu informieren, und gehe dann nur in solche, von denen ich annehmen muss, dass sie gewisse Standards haben (Sehr zu empfehlen der in Entebbe/Uganda).

  3. Wunderschön und Reiseführer sind immer relativ finde ich. Jeder hat doch ein eigenes Empfinden….und für mich absolut mein Ding, leider zu weit weg 🙂 für mal eben

  4. Leyla sagt:

    awesome picture 😀

  5. Anke sagt:

    Schwing die Hufte!!!

  6. Ganz Ausdrucksvolle , schöne Bilder.
    vorallem die Schildkröten 🙂 gefallen mir,da ich selbst eine habe
    Liebe Grüsse Angie

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