Tsingy de Bemaraha I:Gestrandet unterm Mangobaum – Stranded under the Mango tree

Tsingy de Bemaraha I: Gestrandet unterm Mangobaum - Stranded under the Mango tree

Tsingy de Bemaraha I: Gestrandet unterm Mangobaum – Stranded under the Mango tree

Eigentlich hatten wir es schon geschafft. Hinter uns lagen gut 200 Kilometer dessen, was man gemeinhin eine Piste nennt, was auf Madagaskar häufig jedoch nicht mehr als eine Schneise ist, die in die Vegetation, in die Landschaft geschlagen wurde. Diese spezielle Piste führt von Morondava (sprich: murundawa) an der Westküste entlang der Baobab-Allee, dem Wahrzeichen Madagaskars (erstes Bild), vorbei an Reisfeldern und durch die Reste einst ausgedehnter Trockenwälder, die heute in verschiedenen Reservaten und Parks unter Schutz stehen, Richtung Norden. Doch dann war die Fahrt plötzlich zu Ende!

Arbeit auf dem Reisfeld - Work on the paddy

Arbeit auf dem Reisfeld – Work on the paddy

Auf Sand, Fels und längeren, knochenharten Waschbrett-Abschnitten, teilweise flankiert von gigantischen Baobabs der Spezies Adansonia grandidieri und Adansonia za, war es im Allrad-Jeep mit unserem Fahrer Jocelyn vorbei an den bunt gestalteten Gräbern der Sakalava zuerst knapp 100 Kilometer bis zum Tsiribihina gegangen, der sich breit und träge Richtung Meer schiebt. Zur Überquerung stehen dort Fähren bereit, die an der steilen Uferböschung über metallene Planken befahren werden müssen. Für die zahllosen einheimischen Fußgänger, die zum Handeln aus den Dörfern in die Kleinstadt Belo sur Tsiribihina am gegenüberliegenden Ufer kommen, ist die Überfahrt kostenlos, zahlen müssen nur Fahrzeuge. Das sind in der Trockenzeit im Südwinter vor allem Touristen sowie Nationalparkangestellte in Jeeps und die unvermeidlichen Camions, die uralten LKW – meist Mercedes, die entweder Waren in abgelegene Dörfer oder als Camion brousse Passagiere die Westküste rauf und runter transportieren.


Trotz Südwinters ist die Hitze dort gegen Mittag enorm, und jeder sucht sich einen Platz im Schatten, während man abwartet, bis die Fähre sich füllt. Wir vertrieben uns die Zeit mit dem amüsanten Gedanken, auf diese Weise in Deutschland Autos etwa über den Rhein zu transportieren. Was gäbe man dafür, die Gesichter der Fahrzeughalter beim Anblick des schwankenden Floßes beobachten zu können, wenn die Autos auch noch beginnen, darauf zu herumzurangieren.


Irgendwann war dann schließlich das vierte Fahrzeug in Position dirigiert und die Menschen strömten auf das Floß. Die Flößer kennen ihren Fluss, der viele Untiefen und Sandbänke hat und dessen Wasser so braun ist, dass man eine Vorstellung davon bekommt, wieviel fruchtbarer Boden permanent durch Erosion auf Madagaskar verloren geht. Die Farbe ist den meisten Flüssen auf der Insel gemein.


Nach der Überfahrt und einer Pause in Belo war es schließlich durch immer kargeres Land weiter gen Norden gegangen, bis wir irgendwann auf einen Bautrupp gestoßen waren, der die Piste reparierte. Das geschieht stets nach der Regenzeit, indem mit schwerem Gerät die bereits angesprochene Schneise noch einmal nachgezogen wird, bevor obendrauf eine Schicht roten Sands aus nahegelegenem Abbau kommt. Diese Schicht wird per Tankwagen gewässert und schließlich mit Kettenfahrzeugen verdichtet, was die attraktiven Rippen ergibt, die zusammengenommen zu markerschütternden Waschbrett-Pisten werden. Nur mit völlig überhöhter Geschwindigkeit sind diese überhaupt erträglich zu befahren, nachdem der entstandene rote Lehm in der Sonne ausgehärtet ist. Zur nächsten Regenzeit wird die Piste wieder weggespült, und die Arbeit beginnt von vorn.


Im letzten Dorf vor der Überquerung des Manombolo (sprich: manumbulu) – ebenfalls per Floß – hatte es uns schließlich erwischt. Im Ort befinden sich zwei Geschwindigkeitsschwellen, die von den Straßenbauern innerhalb von Ortschaften oder als freudige Überraschung für alle Fahrer mitten im Nirgendwo aufgeschüttet werden – meist viel zu hoch, betonhart und irrwitzig steil. Die erste hatte ich noch kommen sehen und Jocelyn mit wildem „Attention, attention“-Gebrüll darauf aufmerksam gemacht. Die zweite kurz vor dem Ortsausgang hatte uns jedoch alle – und besonders das Auto – völlig unvorbereitet getroffen – beziehungsweise wir sie. Jocelyn hatte zwar noch gelächelt, aber ich bemerkte, dass das Lenkrad beim Geradeausfahren auf dem Kopf stand, was mich irgendwie misstrauisch machte.

Runter vom Floß - Get off the raft

Runter vom Floß – Get off the raft

Wir schafften es noch bis zum Manombolo, der die südliche Grenze des Nationalparks Tsingy de Bemaraha markiert. Dort allerdings war Schluss, Lenkung und Allrad hatten etwas abbekommen. Auf einer Sandbank direkt am Fluss wurde das Auto abgestellt, die Motorhaube geöffnet und das Innere zur Besichtigung freigegeben. Und alle kamen sie, aus nahegelegenen Siedlungen, die Fischer, die Frauen, die Kinder, jeder wollte einmal einen Blick in den Motorraum werfen, auch wenn es darin nur einen staubigen Motor und staubige Schläuche und Kabel zu sehen gab, und niemand, auch nicht Jocelyn, ein Ahnung von Lenkungen oder Allrad-Antrieben hatte. Währenddessen bepackten wir uns mit unseren zahlreichen Rucksäcken sowie unserem Zelt und setzten mit der nächsten Fähre ans andere Ufer über, wo sich die winzige Siedlung Andadoany und – zu unserem Glück – die Parkverwaltung befindet.

Die Herausforderung - The challenge

Die Herausforderung – The challenge

Die Sonne stand bereits tief, also schlugen wir unser Zelt am Ufer unter Mangobäumen auf, wo es gegen Bezahlung auch ein Plumpsklo und eine Flusswasserdusche gab. Da das Flusswasser allerdings schmutziger war als wir selbst, verzichteten wir. Hotels und Restaurants lagen noch einmal ein paar Kilometer entfernt im Dörfchen Bekopaka, das uns in diesem Augenblick unendlich weit weg vorkam.

Hautpflege beim Warten - Taking care of the skin while waiting

Hautpflege beim Warten – Taking care of the skin while waiting

Über die Hilfsbereitschaft vorüberfahrender Touristen breiten wir lieber den Mantel des Schweigens. Nur das junge deutsche Paar mit Jeep und Fahrer, das wir direkt nach der Panne angesprochen hatten und das uns als Reaktion wortlos stehengelassen hatte, soll an dieser Stelle Erwähnung finden. (Vielen Dank! Sonst wäre uns ein herrlicher Abend am Manombolo entgangen.) Glücklicherweise betrieb ein findiger Einheimischer mithilfe einiger Bänke, Tische, Schilfmatten und eines Dieselgenerators ein Hotely, eine typisch madegassische Garküche, in der es leckeren Fisch, Hühnchen und Reis unter Mangobäumen gab.         Fortsetzung folgt…

Alle an Bord - All onboard

Alle an Bord – All onboard

Bootsleute - Raftsmen

Bootsleute – Raftsmen

We´ve almost made it – but only just! We´ve already managed to finish 200 Kilometres of something that is used to be called a dirt road, but in Madagascar it´s often no more than a swath in forest and the landscape in general. That very swath had lead us from Morondava (pronounced mooroondava) along Madagascar´s westcoast up north, passing the famous Baobab Alley, one of Madagascar´s national emblems (first photo), rice paddies as well as the remainders of what once had been extensive dry forests, which are now protected in several reserves and parks. But then our trip suddenly came to a halt!


On sand, rocks and some long stretches of ruthless washboard road, from time to time flanked by huge Baobab trees of the Adansonia grandidieri and Adansonia za species, we and our driver Jocelyn in our 4×4 had gone by some colorful painted graves of Sakalava people and reached Tsiribihina River, which is wide and sluggishly meandering it´s way to the ocean 100km north of Morondava. Over metal planks you have to enter some ferries waiting for customers. For local pedestrians who come from remote villages to do some trading on the market of Belo sur Tsiribihina, the transport is for free; only vehicles have to pay a fee. During dry season in southern winter those are primarily filled with tourists or National Park employees in their 4×4 or it´s the inevitable Camion, ancient trucks – most of the time Mercedes – that supply remote villages with all kinds of goods or transport people up and down the westcoast – then it´s called Camion brousse.

In Belo sur Tsiribihina

In Belo sur Tsiribihina

Despite southern winter it was getting incredibly hot, especially at noon, and everyone was hiding in the shade while waiting for the ferry to fill up. We were passing our time thinking about inventing such a ferry crossing back home in Germany – what a hilarious idea. I´d love to see the faces of the car-owners while they´re watching the staggering raft when raftsmen start to re-arrange the vehicles on top of it.

Belo streetshot

Belo streetshot

Finally came the moment when all four cars had been positioned properly and people started to enter the ferry raft. The raftsmen know their river that has a lot of shallow banks overflown by brown water, which gives you a clue of how much fertile soil is permanently wasted because of massive erosion in Madagascar. This brown color is also what most of the rivers on the island have in common.

Camion (Mercedes of course)

Camion (Mercedes of course)

After the ferry crossing and a break in Belo we continued up north, traversing barren land until we came across construction workers fixing the road. Every year after rainy season they remake the swath with heavy machinery before putting a layer of red sand from a nearby exploitation on top of it. Afterward that layer is moistened by a guy in a water lorry and then a tractor crawler is compressing the whole stuff, so you get the highly attractive bumps that make a decent washboard road. Only by going way too fast you are able to drive on it without poking along or your car falling apart, because of the heat turning the red mud into toughest concrete. In the next rainy season the road gets washed away once more and the process can start all over again.

Belo Markt / market

Belo Markt / market

The road finally got us in the last village before the ferry crossing of Manombolo River (pronounced manoombooloo). There are two speed bumps in that village, created by resentful engineers in the middle of settlements as well as in the middle of nowhere just for the joy of surprised drivers, the first of which I only just recognized, yelling „Attention, attention“ at Jocelyn and sheepishly pointing at it. The second one hit all of us between the eyes – especially the car (or WE hit the bump between the eyes). Jocelyn still had been smiling, but I recognised that the steering-wheel was upside down while driving straight and that made me slightly suspicious.

Exzellente Waschbrett-Piste - Decent washboard road

Exzellente Waschbrett-Piste – Decent washboard road

We managed to reach Manombolo River that marks the southern border of Tsingy de Bemaraha National Park. But then the Mitsubishi Pajero called it a day. The steering and the 4×4 had been damaged. We parked the car on a beach by the river, opened the hood and revealed it´s innards to the public. And they all came – from nearby settlements, the fishermen, the women, the kids. They all wanted to get a glimpse of the inside, even though there was only a dusty engine with dusty tubes and wires and none of us, not even Jocelyn, had the slightest understanding of a steering or a 4×4 drive.

Letzter Halt: Der berühmte Strand des Manombolo - Last stop: the famous beach of Manombolo River

Letzter Halt: Der berühmte Strand des Manombolo – Last stop: the famous beach of Manombolo River

In the meantime we packed our humongous pile of backpacks and our tent and took the ferry to the other side of the river, where there is the small settlement of Andadoany and – fortunately enough – the National Park bureau. The sun had already been low as we made our camp under huge Mango trees, where there also is a longdrop and a bucket shower with river water, which you are allowed to use for a small fee. The water of Manombolo River turned out to be even dirtier than we were, so we spared that experience. Hotels and restaurants are in Bekopaka, a village some kilometres from Andadoany, which felt to us like world´s away.

Unter Mangobäumen - Under Mango trees

Unter Mangobäumen – Under Mango trees

When it came to other tourists the willingness to help was quite poor, if not non-existent, so I rather remain silent. Only the German couple we had approached just after our car had given up should be mentioned, because of ditching us without uttering a word. (Thanx for that, so we had an unforgettable night at Manombolo River!) Fortunately there is a clever local who is running a Hotely, a typical malegasian eating-house, by lighing everything with a diesel generator and putting a few rush mats, benches and tables under Mango trees, where he´s serving delicious chicken, fish, vegetables and rice.         To be continued…

Manombolo Dämmerung - Manombolo dusk

Manombolo Dämmerung – Manombolo dusk

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3 Kommentare zu “Tsingy de Bemaraha I:Gestrandet unterm Mangobaum – Stranded under the Mango tree

  1. afrikafrau sagt:

    so schöne Photos, mir gefallen die Hintergrundgeschichten, man spürt das
    Verständnis für diese wundervolle Insel, mit wundervollen Menschen.

  2. […] heißesten Ort der Insel, nur etwa 250 Kilometer entfernt!!!) und weiter gen Morondava an der Westküste ein […]

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