“The Times They Are A-Changin’”

The Times They Are A-Changin´

The Times They Are A-Changin´

…The line it is drawn, the curse it is cast
The slow one now will later be fast
As the present now will later be past
The order is rapidly fadin‘
And the first one now will later be last
For the times they are a-changin‘” (Bob Dylan, “The Times They Are A-Changin´”, 1964)

Anderthalb Tage im Auto, fast 1.000 Kilometer zurückzulegen von Toliara (Tuléar) an der Südwestküste Madaskars bis nach Antsirabe im Hochland, 147 Kilometer südlich von Antananarivo. Gut, es ist ausnahmsweise kein vollgestopfter Minibus, für den sich ein ausgewachsener mitteleuropäischer Mann erst die Beine brechen muss, um hineinzupassen. Dieses Mal ist es ein privates Taxi, das aufgrund der Krise bei Air Madagascar Touristen auf dem Landweg an die Küste bringen musste und quasi leer zurück ins Hochland und in die Hauptstadt fährt. Da kann man ein Schnäppchen machen und auch mal die Beine ausstrecken, gerade wenn das vorangegangene Stück hinten an einem Pick-up-Camion brousse hängend zurückgelegt wurde.
Unser Fahrer Solo (sprich: sulu) ist ein freundlicher, untersetzter, kettenrauchender Mann in einem der auf Madagaskar so beliebten Shirts der Maki-Company. Sein Französisch ist so vernuschelt, dass ich mit meinen rudimentären Brocken nur die Hauptwörter verstehe und mich auf diese Weise interpretierend durch die endlosen Stunden im Auto hangele. Gegessen und Kaffee getrunken wird in kleinen Hotely gasy, den einheimischen Gasthäusern, oder an den zahllosen Ständen in den Dörfern entlang der Rue Nationale 7. Fast den gesamten ersten Tag ging es durch die annähernd baumlosen Weiten des Südwestens und Südens, bevor sich die Straße dann wieder hinauf ins Hochland schraubte.
Nach einer Übernachtung in Fianarantsoa, einer der größten Städte des Landes und Hauptstadt der Betsileo, ging es schließlich weiter gen Norden in Richtung Ambositra und Antsirabe, wo wir uns von Solo verabschieden würden. Zwischen Ivato und Ambositra mussten wir einen Stopp einlegen, da die Straße im Hochland südlich von Antananarivo durchweg miserabel ist, voll von Schlaglöchern, komplett zerstörten Stücken und Schotterabschnitten, und die damit einhergehenden Vibrationen den Gang der Natur beschleunigen. Wir teilten uns gerade herrliche, frisch gepflückte Physalis, die wir wenige Kilometer zuvor am Straßenrand gekauft hatten, als uns ein lachender, älterer Mann entgegenkam, gefolgt von einer Mutter mit ihrem Sohn.
Lachend erreichte uns zuerst der Mann, dem wir Physalis anboten. Er wehrte strahlend ab und nahm lieber eine Zigarette. Er freute sich sehr, als ich ihn fragte, ob ich ein Bild von ihm machen dürfe. Dann erreichten uns Mutter und Sohn, die uns mit finsteren, mißtrauischen und ängstlichen Mienen schnell passieren wollten. Wir grüßten sie freundlich und boten auch ihnen Früchte an. Dem Sohn war anzumerken, dass er die Physalis gern genommen hätte, aber seine Mutter verwehrte ihm das. Mit viel entwaffnender Freundlichkeit konnten wir ihnen zu verstehen geben, dass wir nicht gefährlich waren, und ich machte dieses Bild, auf dem den beiden die Skepsis deutlich anzusehen ist.
Wir brachten die Mutter schließlich dazu, ihrem Sohn eine Hand voll Physalis zu gestatten, dann zogen sie rasch ihres Weges. Der Mann erklärte uns, dass die Frau in dem Moment, als sie uns gesehen hatte, panisch geworden sei und es mit der Angst zu tun bekommen habe. Sie alle seien Betsileo, und die Frau wohne in einem entlegenen Dorf ohne moderne Kommunikationsmittel. Sie wisse nicht, dass die Zeiten der Kolonialherren vorüber sind. Früher wurden Kinder und Männer geraubt und mussten Zwangsarbeit auf den Feldern und Plantagen verrichten, weshalb die Frau beim Anblick der weißen Vazah (Fremden) das Schlimmste befürchtet hätte. Das war es, was ihn derart erheitert hatte, dass er sich auch am Ende unseres Gesprächs noch mit einem breiten Lächeln verabschiedete und vergnügt weiterzog. Uns dagegen ließ diese Begegnung eher entsetzt zurück.

Immer noch erheitert... - Still amused...

Immer noch erheitert… – Still amused…

One and a half days in a car, close to a thousand kilometres from Toliara (Tuléar) on the southwestern coast of Madagascar all the way up to Antsirabe in the highlands 147 kilometres south of Antananarivo. Ok, just for a change it´s not the usual minibus you have to break your own legs to fit in as an ordinary, tall European guy. This time it´s a private hire, thanks to the Air Madagascar crisis. Tourists had to be brought to the coast via road and now car and chauffeur are returning to the capital – empty. Those are the requirements for a hot deal and you can stretch your legs, which is a good thing after having done the previous part of the journey hanging on the back of a Pick-up-Camion brousse.
Our driver Solo (pronounced: sulu) is a nice, stubby, chain-smoking man in a shirt by Maki Company, which are highly admired throughout Madagascar. He speaks french like he´s got marbles in his mouth and that´s the reason why I´m struggling to get at least the nouns correct to interpret my way through the long hours on the road. To call my french basic would be a major hyperbole! Food and drinks we get at the Hotely gasy, the local taverns along the Rue Nationale 7. Great parts of the first day we´ve spent on the endless plains and plateaus of southwestern and southern Madagascar, before the national road has lead us up to the highlands again.
After an overnight stay in Betsileo capital Fianarantsoa, which is one of the biggest cities on the island, we head north to Ambositra and on to Antsirabe, where we would have to say goodbye to Solo. But between Ivato and Ambositra we have to stop because of some natural forces encouraged by the never-ending vibrations of the car on what can only be described as a miserable road full of potholes, completely destroyed parts and pieces of gravel. We are just sharing delicious, freshly picked physalis fruits we had bought by the roadside just a few kilometres before when an older man appears laughing, followed by a mother and her son.
When the man is reaching us he is still laughing and we offer him some physalis. Full of smiles he says no but is happily accepting a cigarette. He seems truly delighted when I ask him if I could take a picture. Then there come mother and son, trying to pass us hurriedly with equally sinister, suspicious and fearful glances. We hail in an overfriendly manner and offer them physalis as well. We can see quite clearly that the son wants some, but his mother is still refusing. With a lot of smiles we are able to convince her that we are not dangerous or anything. Then I take the picture, on which it´s quite clearly visible how suspicious the two of them still had been.
After that we talk the mother into allowing her son a handful of physalis, and then they rush on. The older man tells us that when the woman had first noticed us, she had started to panic. All of them are Betsileo, but the woman and her son are calling a very remote village their home, a village still without modern communication, without news, without any exchange of information with the rest of the world. She simply didn´t know that there ain´t no colonialism anymore. Back then it´s been common to rob children and men for compulsory labour on the fields and plantations. That´s been the reason why they´ve been so afraid of the white Vazah (strangers). And their anachronistic horror has been the reason for his amusement. He is still smiling when he´s leaving us. Contrary to his emotions we feel rather disturbed.

Das Hochland südlich von Antsirabe - Highland south of Antsirabe

Das Hochland südlich von Antsirabe – Highland south of Antsirabe

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3 Kommentare zu ““The Times They Are A-Changin’”

  1. afrikafrau sagt:

    was für eine interessante Reisegeschichte, schön
    erzählt, manchmal sind wir auch Fremde auf der Welt……

  2. […] Volksgruppe auf Madagaskar. Diese Region und die südlich bis vor Ihosy anschließende, die die Betsileo ihre Heimat nennen, gehören zu den fruchtbarsten auf der Insel. Der Boden vulkanischen Ursprungs […]

  3. […] wird von Merina und Betsileo bewohnt, deren Stammgebiete sich nördlich und südlich der Stadt erstrecken. Mit etwa 180.000 […]

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