Chizumulu Island


Schwer getroffen hat der dauerhafte Ausfall der Ilala bis 2012 die einzige touristische Einrichtung auf Chizumulu, das Wakwenda Retreat, das von zwei englischen Rucksacktouristen, die sich in die Insel verliebt hatten, errichtet worden war. Während die etwa 3000 Einwohner Chizumulus überwiegend von der Fischerei leben und daneben noch Cassava und Mangos anbauen – Tourismus ist nur ein kleines Zubrot – und daher recht unabhängig sind, kämpfte man in der einzigen Unterunft ums nackte Überleben, da der Besucherstrom fast vollständig zum Erliegen gekommen war.
Die Lage und Größe Chizumulus sind in diesem Fall Fluch und Segen zugleich. Es ist schwerlich ein paradiesischerer Ort vorstellbar als diese Robinson-Insel mit seinen unendlich freundlichen, neugierigen und fröhlichen Bewohnern, mit denen man bei einem Besuch unweigerlich in Kontakt tritt. Man bekommt einen direkten und unmittelbaren Einblick in ihr alltägliches Leben, das in weiten Teilen noch unberührt ist von modernen Neuerungen, obwohl beide Inseln (Chizumulu und die Schwesterinsel Likoma) an das Stromnetz angeschlossen sind, das allerdings nur tagsüber angeschaltet ist. Da weder Chizumulu noch Likoma über Landungsbrücken oder Stege verfügen, beginnt dieser Kontakt schon beim Eintreffen, da man per motorisiertem Landungsboot oder Ruderboot oder Einbaum das jeweilige Schiff verlassen und zum Ufer gelangen muss.
Darüber hinaus bietet Chizumulu majestätische Baobabs, deren Früchte und Rinde intensiv zu medizinischen Zwecken genutzt werden, an Pirateninseln gemahnende Felsen, einen relativ hohen Berg, der spektakuläre Ausblicke nach Likoma und hinüber nach Mosambik ermöglicht, und – unserer Meinung nach – die schönste Bar der Welt. Und umgeben ist man dort von einem der größten Seen Afrikas mit azurblauem Wasser, Traumstränden, Palmen und Baobabs.
Diese Abgeschiedenheit ist es, die den Reiz der Insel ausmacht, die gemeinsam mit ihren Bewohnern ihre Ursprünglichkeit bewahrt hat, doch diese Abgeschiedenheit ist auch die verwundbarste Stelle. Die Abhängigkeit von der eigentlich so zuverlässigen Ilala kann zum Verhängnis werden. Auf Likoma gibt es immerhin einen kleinen Flugplatz, über den zahlungskräftige Touristen von Lilongwe her eingeflogen werden konnten.
Nikon D3200; Nikkor 18-105mm, F 3,5-5,6; 26(39)mm; F 5,6; 1/640 sec.; ISO 100

Auch die Kinder auf den Inseln fühlen sich beinahe magisch angezogen von Kameras und posieren gern, wobei sie am liebsten in die Linse kriechen würden. Diese halfen ihren Eltern bei den täglichen Arbeiten, wobei die Anwesenheit der Azungus natürlich eine willlkommene Gelegenheit für Ablenkung und jede Menge Späße war.

Die Fischer am Festlandsufer fangen auch noch größere Fische wie den Chambo, einen Buntbarsch, für den Verkauf auf den Märkten, aber die Fischer auf den Inseln haben sich vollständig auf kleinere Fische, die Kapentas, spezialisiert, die auf den großen Netzen am Strand getrocknet werden. Das macht sie haltbar und geeignet für den Transport zu den Märkten auf dem Festland. Größere Speisefische fangen sie nur zum direkten Eigenverzehr.
Wenn sich nachts ganze Schwärme der Sardinenart vor der Küste tummeln, fahren die Fischer gemeinsam in ihren Dhows hinaus und treiben die Fische mit ihren zwischen den Booten gespannten Netzen zusammen, einzig mit Laternen oder vereinzelt Taschenlampen ausgestattet. Schon sehr früh lernt auch der Nachwuchs die vielen, alten und von Generation zu Generation tradierten Handgriffe und Techniken, die zum Fischfang und der Verarbeitung gehören. Auf ihre Insel-Kultur sind die Bewohner dementsprechend stolz.

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6 Kommentare zu “Chizumulu Island

  1. docugraphy sagt:

    Hat dies auf docugraphy rebloggt und kommentierte:

    Haunted tree…

  2. Amazing tree; great shot!

    • docugraphy sagt:

      Ja, der ist echt gigantisch und hat durch die weiß-graue Farbe was Gespenstisches (die Einheimischen zertrümmern am Fuß des Baumes Felsen zu einer Art Mehl, aus dem schließlich sowas wie Beton/Mörtel hergestellt wird zum Hausbau u.ä.; der Staub setzt sich dann auf dem Baobab ab und gibt ihm seine Farbe).

      • marthalisek sagt:

        hmm… ein unnatürlich natürlicher prozess… 🙂 obwohl, der mensch gehört ja zur natur… vielleicht ergibt das alles ja doch einen sinn. 🙂

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